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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-03-01
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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140 MENORAH dennoch haben die Menschen einen Weg in dieses Paradies auf Erden gebohrt. Der einen Bergkette, den Rocky mountains, wich unser Zug geschickt aus, indem er sich an ihren Füßen entlangschlängelte und durch die schmälsten Zugänge von einem Berg zum andern schlüpfte. Es gelang ihm. Die Wüste und die Totentäler durchschnitt er in rasendem Tempo mit wütendem Pfeifen, nachdem alle Türen und Fenster geschlossen worden waren und das stählerne Tier eine Unmenge Wasser geschluckt hatte, um frische Kräfte zu sammeln. Es stieß dicke Rauchwolken aus, seine Nüstern sprühten heißen Wasserdampf, während es durch die Wüste raste und die Totentäler entlang ilog. So erreichte es die andere Bergkette, die Schneegipfel von Alaska. Hier blieb dem stählernen Tier nichts anderes übrig — es mußte sich durch die Berge bohren und von einem zum anderen über eiserne Brücken balancieren, die sich über tiefe Taleinschnitte spannten, Händen gleich, welche die Berge einander entgegenstreckten. Nach dem Sandgrau der Totentäler war der Anblick des blendendweißen Schnees auf den Höhen eine Erquickung für das Auge, und die Lungen atmeten in vollen Zügen die feuchte Kühle, die von den Bergen hinüberwehte. Doch keine Pflanzung von Menschenhand, keine Spur von Grün war zu sehen. Bloß da und dort ragten vertrocknete, rostbraune Kiefernfragmente aus einem Gewirr von schwammig aufgequollenen, mißfarbenen Wüstengewächsen. Einen ganzen Tag lang wanden wir uns, wie von Zauberhand im Kreis umhergeführt, zwischen den Bergen hin und her. Es schien unmöglich ihnen zu entkommen. Dann aber lief der Zug plötzlich blitzschnell bergab und bald w7aren wir wieder in der öden Wüste mit ihrem Flugsand und der unnatürlich grotesken Flora, die so gar nichts irdisch-menschliches an sich hat. Wenn man stundenlang diese Landschaft vor sich sieht, empfindet man eine geradezu quälende Sehnsucht nach natürlichen Formen, an die das Auge gewTöhnt ist. Der einzige tröstliche Gedanke ist, daß diese Fahrt bald ein Ende nehmen muß. Wie aber muß wohl jenen ersten Wanderern zumute gewesen sein, die auf trägen Ochsengespannen wochenlang diese Wüsten durchquerten? Auf den mit ihrem Hab und Gut beladenen Wagen saßen ihre Frauen und Kinder und hinten trotteten die Kühe nach, die Milch für die Kleinen lieferten. Wer die Geschichte dieser romantischen Helden kennt und sich die Leiden der ruhelosen Geister vergegenwärtigt, die vom Sturm und Drang des Lebens getrieben den gefahrvollen Weg über die Berge und durch die Wüste nach dem Goldland von Kalifornien einschlugen — den erfaßt respektvolle Ehrfurcht vor diesen Pionieren, die für uns den Weg

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