Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 139 sechstausend Fuß auf die Spielzeugstadt nieder und habt infolge der klaren Luft den Eindruck, als sei sie so nahe, daß sie mit einem kurzen Sprung zu erreichen ist. Doch weit mehr als dieses große Wunder zieht mich das Spiel der Sonne auf den lehmfarbenen riesigen Sandstein wänden des Canyon an. Es ist, als werde die Sonne vom Talgrund gefangen gehalten — von dort auf fallen ihre Strahlen auf die Wände und verwandeln jedes Sandkorn in einen farbigen Edelstein; und aus diesen funkelnden und blitzenden Diamanten bildet sich eine strahlende Lichtwolke, die an den Talwänden lagert, so daß sie mit phantastischen, in allen Regenbogenfarben schimmernden Seidenvorhängen bekleidet erscheinen. Und nun ist kein Tal zu sehen, keine Sandsteinwände und keine steil abfallenden Felswände — der riesige nGran canyon" ist mit Seide bespannt. Ich kenne einen einzigen Ort, wo das Licht in ähnlicher Weise auf Sandsteinwänden spielt — das ist die Wüste Juda in Erez-Israel. Wenn man von Jerusalem nach Jericho die Jordansenke hinabfährt und in jähem Gefälle um einige tausend Fuß sinkt, dann erscheinen plötzlich, sobald die Sonne auf die Berghänge fällt, die Felswände in schimmernde Seide gekleidet. Dieses eigenartige Licht, das die Augen blendet, hat etwas seltsam Beängstigendes. Ringsum in der Weite ist alles still. Eine drückende Stille. Überall stumme Berge, nicht irdischen Gipfeln gleichend, sondern Himmelsbergen. Wie herniedergefallene Himmelstrümmer liegen sie übereinander. Mit einem ähnlichen Himmelslicht ist auch der ,,Gran canyon" Übergossen — es verleiht ihm etwas seltsam Fremdes und zugleich eine wunderbare, überirdische Schönheit. Die Nacht brachte mich zum „Gran canyon" und sie führte mich wieder aus dem Tal heraus. Letztes Sonnenlicht auf den Sandsteinwänden — mein letzter Blick heftete sich auf dieses himmlische Licht, das mich so ganz und gar der Erde entrückte — so mag wohl die Welt aussehen, die wir uns als Wohnsitz Gottes und der Engel vorstellen! Und dann führte mich die Eisenbahn wieder zur Erde, in die Welt der Menschen zurück. "Während der Nacht schleppte mich das stählerne Tier, in dessen Leib ich bequem schlief, durch ungeheure Wüstenflächen. Als ich am Morgen durchs Fenster blickte, merkte ich, daß ich einige tausend Fuß hohe schneebedeckte Berge hinaufkletterte. Gott hat das Paradies von Kalifornien mit zwei riesigen Bergketten umgeben, zwischen die er einige tausend Meilen Wüste und tief eingeschnittene „Totentäler", das Reich des ewigen Sandes, gelegt hat. Und