Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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136 MENORAH der Luft. Von Zeit zu Zeit ballt der Wind eine Wolke aus Staub und Sand zusammen, hebt sie empor, spielt mit ihr in der Luft und trägt sie weit, weit fort. Kein Haus, kein Wasser, kein Zeichen von Leben — bloß einsame, wüste Erde und darüber Himmel. Nur hie und da ist wie durch ein Wunder eine Spur von Leben zu merken: Eine Rauchwolke dringt aus einem Schornstein! Dort haben Menschen dem Geheimnis der Erde nachgespürt und gefunden, daß sie in ihrem Innern Ölquellen birgt oder Schätze von Silber und in der Tiefe behütete Kupferlager. Wie hungrige Wölfe stürzen sie sich nun auf die verborgenen Kostbarkeiten im Innern der Erde, reißen ihr den Leib auf und berauben die Wüste ihrer versteckten Schätze, pumpen ihre Ölquellen aus, stehlen ihr Gold, Silber und Kupfer. Einsam zieht der Rauch der Minen-Schornsteine durch die Luft und vergeht in der Unendlichkeit der Wüste. Es ist, als wären die Minen neue unterirdische Zauberschlösser in der amerikanischen Wüste, und die sie suchen, neue Aladins aus Tausendundeiner Nacht. Manchmal jagt wie ein Sturmwind ein Rudel raulifelliger wilder Pferde durch die Wüste und ein Cowboy galoppiert ihm auf schäumendem Rosse nach, — doch sie gleichen Tropfen im Meere, Sandkörnchen im Kosmos und bald ist alles wieder versunken und vergessen in dem unendlichen Meer der Wüste. Und Einsamkeit und Trauer ist über die Wüste ausgegossen. Du hörst geradezu das Weinen der Erde, ihre Sehnsucht nach Befruchtung, ihr Lechzen nach Wasser. Und dann geht die Sonne unter. O, diese Sonnenuntergänge in der Wüste, da das Geheimnis der Unendlichkeit sich zu enthüllen scheint! Zaghaft sinkt der Riescnball, wird ganz, ganz langsam von der Erde verschlungen, die wie ein ungeheures Tier in riesenhaftem Rachen Himmel, Sonne und Wolken verschwinden läßt. Langsam, voll trauriger Sehnsucht sinkt die Sonne in den tiefen Abgrund der Erde. Doch noch lange geistern verirrte Strahlen über den Himmel und entzünden an den Rändern der Wolken ein violettes Feuer, das auf der Erdoberfläche wider scheint. Ein sandgelber Schimmer beleuchtet die Erde. Dann hast du das Gefühl, den Geist Gottes zu sehen, der über der Oberfläche der Erde schwebt . . . Und Furcht überfällt dich, denn du hast Gottes Angesicht erschaut . . . Bedrückten Herzens, doch auf Gottes Gnade bauend, ergab ich mich den Armen der Nacht. Ich fühlte mich als ein Teilchen der Unendlichkeit, die mich umgab, als ein Sandkorn in der Wüste, als ein Teil Gottes. Und während ich auf meinem Bett im Abteil liegend dem schweren