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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-03-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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QUER DURCH AMERIKA 135 wohnt er irgendwo in den Südstaaten, besitzt dort eine Kleidcrerzeugung und einen Juwelenladen. Soweit ich seinen Worten entnehmen kann, betreibt er auch einen „loan-shop", ein Kreditinstitut für Farmer. Dagegen brachte er mich zum Bekenntnis, daß ich jüdischer Schriftsteller sei und für jiddische Zeitungen schreibe. „I don't read it" — sagte mein neuerBekannter naserümpfend, als er hörte, welchen Beruf ich habe. — „J don 't like to read the Jewish papers, they are trouble makers. I am not an antisemit" — beteuerte er und setzte, wohl um seinen letzten Worten mehr Nachdruck zu geben, jiddisch fort: „Ich bin kein Antisemit, ich gehöre einer S}Tiagoge an, aber die jüdischen Zeitungen kann ich nicht leiden. Sie stiften bloß Unruhe unter den Arbeitern. No good, no good'w — dabei trommelte er mit seinen behaarten Fingern auf das fette Bäuchlein — ,,J am not an antisemit", — wiederholte er — ,,aber das, the Jewish papers, no, no!" „Aber ich bin einer" — entgegnete ich jiddisch. „Was?" „Ein Antisemit" — schrie ich ihm ins Gesicht und wandte mich zum Fenster . . . Da mein Mitmensch mich müde gemacht hat, suche ich ein wenig Ruhe im Anblick der Natur, die sich vor meinem Coupefenster ausbreitet. Allmählich ändert sich die Landschaft. Die von Menschenhand bearbeiteten anheimelnden Felder verschwinden und versinken in einem ungeheuren, unermeßlichen Meer wilder, unberührter, menschenloser Erde. Man hat das Gefühl, über ein ausgetrocknetes Meer zu fahren. Die Häuser werden immer kleiner, immer seltener. Bald ist kein lebendes Wesen mehr zu sehen, die Erde ist trocken und mit Staub bedeckt. Einsam spielt der Wind in dieser nackten, verdorrten WTelt, indem er den Staub durch die Luft wirbelt. Immer heißer brennt die Sonne. Alles ringsum ist öde, unheimliche Wildnis . . . Als ich am nächsten Tag erwachte, befand ich mich in einer ganz anderen WTelt. „Und die Erde war wüst und leer und der Geist Gottes schwebte über der Oberfläche der Erde" — die Erde, die der erste Mensch ersah, glich sicher der Wüste von Neu-Mexiko. Wie der Sturmwind rast unser Zug durch die unendliche Wüste. Kein Baum, kein Grün, bloß die von Sonne und Sand zerfressene Flüche des verdorrten Bodens. Wildahenteuerliche Mißgeburten in Pflanzengestalt, Pilzen mit angeschwollenen Bäuchen ähnlich, bedecken die kleinen Hügel. Und wenn der Zug durchfährt, erheben sie sich und schweben in

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