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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-03-01
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
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QUER DURCH AMERIKA 137 Atem des Zuges und dem Kreischen der Räder auf den Schienen lauschte, schien es mir, als hörte ich die Bewegung der Erde, während sie sich um ihre Achse dreht, als hörte ich den Herzschlag der Welt — ja, die Welt leht, wir bewegen uns mit ihr und ich bin in ihr, ein Teil von ihr — Schöpfer, sei gelobt! Die Nacht verschlang fünfhundert Meilen Wüste und brachte mich nach den Tälern und Bergen von Arizona. Der Boden von Arizona scheint mit Elektrizität geladen zu sein. Er ist noch wüst und wild, doch nicht mehr die glatte meerähnliche Ebene der Wüste von Ncu-Mexiko. Die Erde spaLtet sich, klalft in abgrundtiefen Einschnitten und erhebt sich zu Bergen. Es sieht aus, als seien diese Berge und Einschnitte eben erst entstanden. Das ganze Land scheint eben erst geschaffen worden zu sein, nein — noch nicht geschaffen, erst im Geschatfenwerden. Du siehst den Rohstoff, aus dem Gott die Welt geknetet, in brodelnder Bewegung wie in einem Schmelztiegel. Kein Quadratmeter gleicht dem anderen. Hier formt der Wind einen Berg, dort verschiebt er ihn an einen anderen Ort. Hier öffnet sich, dort schließt sich ein Tal. Die Luft ist so klar, daß der Blick viele Dutzend Meilen reicht. Ein Berg scheint unmittelbar vor dir zu stehen und doch dauert es stundenlang, bis du ihn erreichst. Und war in Neu-Mexiko noch hie und da ein Zeichen von Leben, ein Pferd oder der Rauch eines Schornsteins zu merken — hier in Arizona gibt es gar nichts zu sehen, was an Leben erinnert, bloß wilde, frischgeiormte Berge und tief eingeschnittene Täler. Und alles schimmert in dem sandgelben sammelartigen Licht, das die herrlich strahlende Sonne über die Berge und Täler ergießt. Und doch ist zu merken, daß die Erde in Arizona die ersten Versuche macht, Leben hervorzubringen. Verkrüppelte wilde Palmen versuchen, in der Wüste von Arizona zu wachsen, doch die jungen Triebe verdorren, kommen vor Durst um, werden von der Sonne verbrannt. Da und dort recken sich wilde Kakteenbäume empor und nehmen verschiedene abenteuerliche Formen an, die jedoch gar nichts mit der Form von Menschenbäumen zu tun haben; sie erinnern an groteske Mißgeburten, an die grauenerregenden Gestalten von Dämonen und bösen Geistern, kopflos mit unförmigen Leibern. In solchen Bäumen wohnte wohl der erste Mensch. Auch die Berge von Arizona sind keine Menschenberge, sondern erinnern irgendwie an Ruinen uralter Schlösser, eingestürzter Türme, zerstörter Städte der Vorzeit, in denen Riesen w7ohnten, zerfallener Tempel längst verstorbener Götter, über die eine wilde Sonne ihr schimmerndes

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