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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-03-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 MENORAH seine kranke Lunge in den warmen Landstrichen Heilung sucht. In Gedanken versunken wende ich mich wieder der Landschaft zu. Da tritt plötzlich ein Herr auf mich zu, blickt sich vorsichtig um, ob kein Lauscher in der Nähe ist, und sagt ein wenig ängstlich: „Jehudi?" „Jehudi" — antworte ich. Er reicht mir die Hand und setzt sich neben mich. Ich betrachte ihn näher. Das Gesicht könnte einem Italiener oder Armenier gehören, aber er hat weder Bart noch Schnurrbart. Die Bartlosigkeit paßt eigentlich nur zu den kalten Mienen der Angelsachsen. Wenn ein Jude glattrasiert ist, bekommt sein Gesicht etwas Unmenschliches. So auch hier: Eine dicke fleischige Nase, große, wulstige Lippen, die der fehlende Schnurrbart noch stärker hervortreten läßt, hohe Stirn, schütteres Haar mit kahlen Stellen. Offenbar war der, zu dem es gehörte, in seiner Kindheit von einer der zehn ägyptischen Plagen heimgesucht (seine Mutter möge mir diese respektlose Bemerkung verzeihen!). Über die Weste spannt sich eine schwere goldene Kette, an der zwei Hirschzähne, in Gold gefaßt, baumeln. Das macht den Eindruck, als sei etwa der Vater ein großer Jäger vor dem Herrn gewesen und der Sohn trage die Zähne der Hirsche, die der Vater erlegt hat, als Andenken an der Uhrkette. Im Knopfloch links glänzt das brillantene Abzeichen einer Freimaurerloge, als Pendant steckt rechts das Sternenbanner, aus blauen, weißen und roten Steinen gebildet. Die Krawattennadel hat die Form eines großen Fragezeichens und ist selbstverständlich auch mit Brillanten besetzt. Mit einem Wort — der richtige Amerikaner. „In what ganie are you?" — beginnt er das Gespräch. Ich blicke ihn erstaunt an, denn ich weiß nicht, was die Frage, in welchem Spiel ich sei, bedeuten soll. ,,I am in the clouk-game, also, in the jewellery-game. In what gaine are you?" Jetzt erst begriff ich, was er meinte. ,,I am in the writer-game" — antwortete ich. Die Fortsetzung des Gesprächs, das wir englisch führten, im Einzelnen wiederzugeben unterlasse ich, obwohl unser beider Englisch interessantes Material für einen Sprachforscher oder einen Vaudeville- Komiker geliefert hätte. Im Verlaufe unserer Unterhaltung erfuhr ich, daß mein Nachbar aus Bialystok stammte, „Operator", also Arbeiter in New York, auch Mitglied der jüdisch-sozialistischen Arbeiterorganisation und ,,all the games" gewesen war. Dann betrieb er eine Wäscherei in Chicago, später eine Delikatessenhandlung in Kansas-City. Jetzt

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