Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-03-01
- Page
- 133 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA Eindrücke einer Reise Von Schalom Asch Autorisierte Übersetzung von Siegfried Schmitz Nachdruck, auch auszugsweise, verboten V. Von Chicago nach Kalifornien Ich verließ Chicago am Abend. Als ich zum Bahnhof fuhr, fiel dichter Schnee auf den Schmutz der Chicagoer Gassen und versank sofort darin. Feucht waren die Straßen, feucht die Luft, feucht alle Glieder. In Missouri erwachte ich. Eine große Sonne beleuchtete heimatlich anmutende Felder, deren feuchte Ackerstreifen sich von den erfrischenden Strahlen trocknen ließen. Von Schnee und Winter keine Spur. Hauch des Frühlings weht von den Ackern. Da und dort schwarze frischgepllügte Furchen, an einigen Stellen sogar Grün. Vereinzelte Schafe irren nahrungsuchend umher und beknabbern die vom Vorjahr übriggebliebenen Stoppeln. Füllen hüpfen wiehernd über die Wiesen. Eine Zeitlang fahren wir den Missourisee entlang. Er begleitet uns bis Kansas City. Seine beiden Ufer sind mit frischgeackerter Erde gepolstert. Gepflügter Acker ist das erfrischendste, was ich kenne. Der Hauch des Frühling, der ihm entströmt, scheint auf dich loszustürmen und nicht nur die Erde ist voll quellenden Wachstums, sondern auch in deinem Herzen, in deinem Blut, in deinem ganzen Wesen drängt Jugend, Liebe, neues Leben quellend ans Licht. Von allen Unionstaaten, durch die ich reiste, hat Missouri den kindlichsten, primitivsten Boden. Auch die Häuschen sind primitivbäurisch. Neben jedem ein umzäunter Hof voll Ochsen, Rindern, Schafen und besonders Pferden. Auf den weidereichen Ebenen von Missouri wachsen die Pferde für ganz Amerika auf. Frei und ungezähmt stürmen ganze lludel Pferde über die Felder. Die ganze Welt gehört ihnen. Sie sind noch nicht in die Ställe verbannt und ihr wilder freier Galopp ist noch nicht von Zaum und Joch gebrochen — ein herrlicher Anblick. Momentan aber interessieren mich die Geschöpfe meiner Gattung mehr als die, welche auf den Wiesen weiden. Ich blicke rings um mich, um meine Mitreisenden ein wenig zu betrachten: Einige Frauen mit Kindern, die nach dem Westen reisen, wahrscheinlich zu ihren Männern, die sie haben nachkommen lassen. Zwei Judenmädchen aus Polen, die ihr Oheim zu sich nach Los-Angeles nimmt. Ein junger Mann, der für