Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Holzsynagogen in Polen
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
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126 MENORAH betraumes die heilige Lade, im Westen aber der Eingang angeordnet erscheint. Da die Synagogenbailten Polens immer auf einem freien, gewöhnlich sogar etwas erhöhten Platze angelegt sind, war es möglich, diesem Grundprinzip der Anlage Rechnung zu tragen. Hierin unterscheiden sie sich von den Synagogen Westeuropas, wo die Juden, wegen des geringen Baugrundes, der ihnen zur Verfügung stand, der außerdem oft zwischen den Wohnhäusern eingekeilt war, mitunter gezwungen waren, von der genauen Ostorientierung abzuweichen. Allgemein kann man sagen, daß die polnischen Synagogenbauten infolge ihrer Lage oft das Stadtbild beherrschen, wie zum Beispiel die Synagoge inGrodno. Aus unserer Beschreibung der jüdischen Gotteshäuser erkennt man, daß ein solcher Bau aus der Männersynagoge, der Frauenabteilung und der Vorhalle besteht. Die Anordnung eines heizbaren Winterbetraumes, der auch als Schule dient, ist nicht die Regel. In manchen Synagogen, wie in Peczenyczin, wurde dieser Raum erst viel später eingebaut. Die Trennung der Geschlechter spricht sich schon im Grundriß scharf aus. Die Verbindung zwischen Männer- und Frauenabteilung wird nur durch schmale, etwa 15 cm breite Schlitze oder durch Rundfenster bewerkstelligt, die es den Frauen ermöglichen, ohne von der Männerabteilung aus gesehen zu werden, der gottesdienstlichen Handlung zu folgen. Vorhalle und Männerbetraum erhalten verschiedene Fußbodenhöhe, so daß man über einige Stufen in die Männersynagoge hinabsteigen muß. War aber der Fußboden infolge örtlicher Verhältnisse im selben Niveau, so wurden in der Vorhalle zur Männerabteilung Stufen angelegt; die gleiche Zahl führte dann wieder in den Männerbetraum hinab. Durch das Hinabsteigen und das Verliefen des Fußbodens soll aber die Stelle des Gebetes: ,,Aus der Tiefe, o Herr, fleh' ich zu Dir" zum Ausdruck gebracht werden. JB. Einteilung des Synagogenbaues nach bestimmten Gesichtspunkten a) Vergleicht man die Grundrißlösung der hölzernen Synagogen Polens bezüglich der Gruppierung der früher erwähnten Räume, so lassen sich, wie bei den steinernen Synagogen, drei Typen unterscheiden: 1. Männersynagoge und Frauenabteilung liegen in gleichem Terrainniveau. Diesem Typ gehören an die Synagogen in Wysokiemaz, Gwozdziec, Wolpa, Narowla, Suchowoli. 2. Die Frauenabteilung liegt in einem Geschoß über der Vorhalle, also an der Westseite des Männerbetraumes.