Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Demütigung und Erhebung
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DEMÜTIGUNG UND ERHEBUNG 101 len, deren Verletzung Eliphas' edler junger Person aufs höchste gefährlich werden könne? Um diese sei es ihm, dem hinlänglich geschlagenen Oheim, zu tun, und wenn denn er schon nunmehr, vernichtet und leichtgemacht, dahinziehe in ein Land, wo er fremd sein werde und ein Knecht, so solle doch Eliphas schwer sein von Glück und seine Mutter gesegnet unter den Kindern He tri, weil er seine Hand zurückgehalten vom Blute und seine Seele abgewendet von Missetat. . . So strömte dem Jaakob die plappernd und bettelnd angstgetriebene Bede, daß es den Eliphas nur so wunderte und ihm der Kopf wirbelte vom Schwall. Er hatte einen lachenden Räuber zu treifen erwartet und fand einen Elenden, dessen Erniedrigung Esaus Würde vollkommen wiederherzustellen schien. Der Knabe Eliphas war gutmütig, wie sein Vater es eigentlich war. Schnell trat in seiner Seele ein feuriges Gefühl an die Stelle des anderen, die Großmut an die Stelle des Zornes, und er rief aus, daß er des Oheims schonen wolle, worüber Jaakob vor Freude weinte, indem er den Saum von Eliphas' Kleid und seine Hände und Füße mit Küssen bedeckte. Verlegenheit und leichter Ekel mischten sich in dessen Gehobenheit. Er ärgerte sich gleich ein wenig seines Wankelmuts und bestimmte rauh, das Gepäck der Flüchtlinge müsse ihm ausgeliefert werden; was Rebekka dem Onkel zugesteckt habe, gehöre Esau. dem Gekränkten. Jaakob wollte auch diesen Reschluß noch mit flüssiger Rede wenden, aber Eliphas schrie ihn verächtlich an und ließ ihn so gründlich ausplündern, daß ihm wirklich nichts blieb als das nackte Leben; die goldenen und silbernen Gefäße, die Krüge mil feinstem Öl und Wein, die Hals- und Armringe aus Malachit und Karneol, der Weihrauch, das llonigkonfekt, und was die Mutier ihm an Gewirktem und Gewobenem hatte aufpacken lassen, ---- alles mußte in Eliphas' Hände geliefert werden; sogar die beiden Hörigen, die flüchtig den Hof verlassen, und von denen übrigens einer von einem Lanzenwuri an der Schulter blutete, mußten sich mit ihren Tieren den Verfolgern zur Rückkehr anschließen, — und dann durfte Jaakob allein, nur ein paar irdene Krüge mit Wasser am Sattel, seineu dunklen Weg gen Osten, wer weiß in welcher Gemütsverfassung, fortsetzen. Er hatte sein Leben gerettet, sein kostbares Verheißungsleben. für Gott und die Zukunft — was wog dagegen Gold und Karneol? Auf das Leben kam hier alles an, und Jung-Eliphas war im Grunde glänzender geprellt als sein Erzeuger, aber was hatte es gekostet! Wohl mehr als das Reisegepäck — die Mannesehre ganz und gar: und geschändeter konnte niemand sein als Jaakob, der vor einem Milchbart auf der Stirn hatte winseln müssen, und dessen Gesicht von Tränen und hinein-