Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Demütigung und Erhebung
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
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100 MENORA II Hatte er den Betrug gewollt? Hatte er ihn angeregt, war er seine Eiiinclung? Seine Därme sollten preisgegeben sein, wenn dein im entferntesten so gewesen war! Die Mutter, die Tante allein hatte alles er dacht und gewollt, aus übergroßer und unverdienter Liebesschwäche für ihn, und er, Jaakoh, hatte sich mit allen Kräften gegen den Plan gesperrt und gewehrt, hatte ihr vorgehalten, wie die Gefahr so groß und schrecklich sei, daß Isaak alles entdecke und nicht nur ihn verfluche, sondern auch sie, die allzu anschlägige Rebekka. Nicht zu vergessen, daß er ihr auch mit verzweifelter Eindringlichkeit zu bedenken gegeben hatte, wie er dastehen werde vor des erstgeborenen Bruders erhabenem Antlitz, wenn etwa der Anschlag gelinge! Nicht gern, nicht froh und frech, ach, keineswegs, sondern zitternd und zagend hatte er mit dem Gericht vom Böcklein und dem Wein, in Esaus Festkleid, das Fell um Handgelenke und Hals, des Vaters, des lieben Großvaters Gemach betreten. Der Schweiß sei ihm die Schenkel hinuntergelaufen vor Not und Furcht, die Stimme ihm in der verschnürten Kehle erstorben, als Isaak ihn gefragt, wer er sei, ihn betastet, berochen habe -— aber sogar ihn mit Esaus Feldblumen-Wohlgeruch zu salben, habe die Tante ja nicht vergessen! Ein Betrüger, er? Ein Opfer vielmehr von des Weibes List, Adam, verführt von Hewa, der Schlange Freundin! Ach, Eliphas. der Knabe, möge sich hüten sein Leben lang, das mehrere hundert Jahre und länger währen möge, vor des Weibes Ratschlag, und weislich umgehen die Fallstricke seiner Schalkheit! Er, Jaakoh, sei gestrauchelt darin, mit ihm sei es nun aus. Ein Gesegneter, er? Aber erstens, was sei denn das für ein Vatersegen, ein irrtümlicher, gleich diesem, so gegen Wunsch und Willen des Empfängers erschlichen? Habe er Wert und Gewicht? Sei er von Wirkung? (Er wußte genau, daß Segen — Segen war, und daß der seine volles Gewicht und volle Wirkung habe, aber er fragte so, um Eliphas zu verwirren.) Und zweitens: habe er, Jaakob, wohl Miene gemacht, des MißgrhTs Nutznießer zu spielen, als Segenstriiger sich breit zu machen im Hause und Esau, seinen Herrn, zu verdrängen? Ach, ganz mitnichten und grade im Gegenteil! Das Feld räume er freiwillig dem Bruder, die reuige Rebekka selbst habe ihn fortgetrieben, ins Wildfremde ziehe er auf Nimmerwiederkehr, in die Verbannung, geradewegs in die Unterwelt, und sein Teil sei Weinen je und je! Ihn wolle Eliphas mit des Schwertes Schärfe schlagen, — der Täuberich mit lichten Schwingen, der junge Bergstier in seiner Pracht, der bildschöne Antilopenbock? Da doch der Herr Noah bedeutet habe, er wolle vergossenes Menschenblut zurückfordern, und da es doch heule nicht mehr sei, wie zu Kains und Habels Tagen, sondern Gesetze im Lande herrsch-