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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Demütigung und Erhebung
Date
1932-03-01
Page
Seite 97 (sequence 3)
Language
German
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DEMÜTIGUNG UND ERHEBUNG 97 und bestimmt, die ihn banden, wie alle Well, und ihre Prägung von kosmischen Kreislaufbildern empfangen hallen. Durch des Vaters Segen war Jaakob endgültig zum Mann des vollen und ,.schönen" Mondes geworden, Esau aber zum Dunkelmond, also zum Sonnenmann, also zum Mann der Unterwelt, — und in der Unterwelt weinlc man, obgleich man dort möglicher Weise sehr reich an Schätzen wurde. Wenn er sich später ganz zu den Leuten des südlichen Gebirges und ihrem Gölte schlug, so tat er es, weil es sich so für ihn schickte, denn der Süden lag im Denklichte des Unterwelllichen, wie übrigens auch die Wüste, in die Jizchaks Gegenbruder Ismael halle abwandern müssen. Beziehungen aber halle Esau schon längst, schon lange vor Empfang des Fluchspruclies von heerscheba aus mit den Leuten von Seir angeknüpft, und das beweist, daß es sich bei Segen und Fluch nur um Bestätigungen handelte, daß sein Charakter, das heißt seine Rolle auf Erden von langer Hand her festgelegt und er sich eben dieser Gharakter-Rolle von jeher vollkommen bewußt gewesen war. Er war ein Jäger geworden, des oifenen Feldes schweifender Sohn, zum Unterschiede von Jaakob, der in Zelten wohnte und ein Mondhirt war, -- war es geworden nach seiner Natur, auf Grund seiner stark männlichen körperlichen Anlagen, gewiß. Aber man ginge fehl und würde der mylhisch-schematischen Bildung seines Geisles nicht gerecht, wenn man annähme, Gefühl und Bewußtsein seiner selbst, seiner Rolle als sonnenverbrannter Sohn der Unterwelt, sei ihm erst aus seinem Jägerberuf erllossen - mindestens so sehr umgekehrt — hatte er diesen Beruf schon darum gewählt, weil es ihm so zukam, aus mythischer Bildung also und Gehorsam gegen das Schema. Faßte man sein Verhältnis zu Jaakob gebildet auf ~- und das zu tun, war Esau, seiner Rauhigkeit ungeachtet, immer bereit gewesen —. so war es die Wiederkehr und das Gegenwärtigwerden — die zeitlose Gegenwärtigkeit — des Verhältnisses von Kain zu Habel; und in diesem war Esau nun einmal Kain: nämlich bereits in seiner Eigenschaft als .älterer Bruder, welchem freilich das neuere Weltrecht ehrend zur Seite stand, der aber wohl fühlte und wußte, daß, aus Zeiten mütterlicher Vorfrühe Übermacht, eine tiefe lierzensneigung der Menschheit dem Jüngeren, dem Jüngsten gehörte. Ja, falls eine gewisse Geschichte von einem Linsengericht als wirklich geschehen hinzunehmen und nicht nachträglich, zur Rechtfertigung des Segensbetruges, den Tatsachen sollte hinzugefügt worden sein, so wäre Esaus scheinbarer Leichtsinn sicherlich aus solchen Empfindungen zu erklären: Indem er dem Bruder so leichten Kaufes die Erstgeburt abtrat, hoffte er. wenigstens die Sympathien, welche urtümlicher Weise dem Jüngeren zufallen, auf seine Seite zu bringen. Kurz-

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