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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Emile Meyerson
Date
1932-01-01
Page
Seite 85 (sequence 2)
Language
German
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EMILE MEYERSON 85 Worin besieht nun sein Werk1), das die Begeisterung der Physiker und Philosophen hervorgerufen hat? Meyerson studierte Chemie an verschiedenen Universitäten, besonders bei Bunsen. Seine Einstellung war daher in gewisser Beziehung naturwissenschaftlich. Diese Richtung war noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, insbesondere dank des Positivismus von Auguste Comte, vorherrschend. Die besten Geisler konnten sich dieser Richtung nicht entziehen, die vorgab, die Welträtsel lösen zu können Aber auf die Dauer konnte sie Männer nicht befriedigen, die an kritisches Denken gewöhnt waren: „Die äußere Welt, die Natur, erscheint als unendlich wechselnd, als fortwährende, ununterbrochene Änderung in der Zeit2). Die Wissenschaft, die diese eliminiert, ist nur in der kausalen Erklärung d. h. Identifizierung des Verschiedenen, totaler Rationalisierung plausibel. Daraus schloß der Autor der „Explication dans les scicnces", daß man zurückgreifen müsse auf die unmittelbaren Gegebenheiten des Bewußtseins und der Empfindung, die wesentlich bestimmend, daher unbegreiflich, irralionelt sei. So kritisierten die scharfsinnigen Überlegungen Meyersons die ganze Grundlage der Comteschen Lehre. Er hat den Begriff der „Gesetzlichkeit" gebraucht, um das Erforschen der physikalischen Gesetze zu bezeichnen und dadurch diese besser von dem Begriff der Kausalität (Naturprinzip3), welcher unserer Denkungsart innewohnt) zu unterscheiden, welche die Legalität in sich einschließt, aber noch weit über sie hinausgeht'1). Als Wissenschaft hat die Chemie auch rein qualitativ gewisse Berührungspunkte mit der reinen Philosophie, was erklärt, daß Meyerson zu dieser gelangt ist. ..Die Materie als Gegenstand unserer Begriffe hat ver- 1) Identite et Rmlite, Paris, Alcan, in-8°, 1908, 2. AufJaere, 1(,U2. 7>e VexpHrntion dans le.i Sciences, Paris, Payot, in-8° S. M., La Dcdurtion rplalivisie. Payot 19, 1924; mehrere Artikel und ein Buch in Vorbereitung: Le cheminemmt de la Pensen. Zu beachten ist: Mej'erson war 50 Jahre alt, als sein erstes Werk erschien, Kant war 57 Jahre alt, als sein Werk „ Die. Kritik der reinen Vernunft" herausgegeben wurde. 2) Identite et Realite, Seite 9S. schiedenc Eigenschaften: sie ist warm, farbig, elektrisch, magnetisch us\v."r>). Meyerson zögert nicht zu bemerken, daß das Irralionelle (Ausdruck, der kritisiert wurde, der aber, unserem Philosophen gemäß, der Vernunft nicht widerspricht, wie das Absurde) das Weltall beherrscht, sowohl in der empfundenen als in der physischen (äußeren) Welt. Er hat richtig erfaßt, daß unsere Intelligenz unfähig ist, das Werden, den Wechsel zu verstehen, ohne ihn zu immobilisieren, entstellen, zerstören; eine originelle Idee, die sich in der Bergsonschen Therorie findet und so charakteristisch für das jüdischen Denken ist (Zohar), welches gleichfalls das Wesen der Dinge als irreduktibel auf das Identische betrachtet. Meyerson führt noch einen grundlegenden Begriff ins Gefecht, das Carnot'sche Prinzip und beweist durch dasselbe, daß diese mathematische Identität nicht geeignet ist, das Phänomen und im weiteren Sinne die Struktur des Wellalls zu erklären. Dieses Prinzip ,,ist in die Wissenschaft eingeführt worden, um die realistischen Prätentionen der Vernunft umzustoßen, um die kausale Tendenz in den Zustand der kausalen Illusion zurückzuführen'"'). Auf Grund dieser Entdeckung, die wir Carnot verdanken und ,,die einen integrierenden Bestandteil der Wissenschaften bildet", legt Meyerson dar, daß der Fluß der Dinge (das IFavra von Heraklit) „an sich wesentlicher und für uns zu kennen wichtiger ist als deren Erhaltung". Aber Meyerson verläßt nicht ganz die Wissenschaft; seine erkennt« islheorelischen Tendenzen bestehen vor allem darin, zu beleuchten, daß „die Leitprinzipien des Bewußtseins hier weder ganz a priori, noch ganz a. posteriori seien, daß die Erfahrung weder ganz konform, noch ganz entgegengesetzt zu den Forderungen unseres Geistes sei. es sei die a) „Eine iede vorgeschlagene Idee kausaler, erklärender Art, d. h. welche auf eine Zurückführung auf die Einheit schließen läßt, findet unseren Verstand besonders aufnahmebereit, jede erscheint uns plausibel." (Ib. S. 464.) 4) A. Metz, La Science et la Raison dans la Philosophie do Meyerson, Mercure de France 1926. 5; Identite et Realite S. 271. *) L. Brunschvieer, La Philosophie d'E. Meyerson, Revue de Mütaphysiiiue, S. 41.

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