Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Emile Meyerson
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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84 MENORAH EMILE MEYERSON Sein Leben und seine Philosophie Von Henri Serouya Meyerson ist einer (der Führer des modernen Geisteslebens, in dessen höchsten Sphären das Judentum ja immer mehr eine hervorragende Stellung einnimmt. Er besitzt nicht nur ein ungeheures Wissen, er weiß auch seine Behauptungen so aufzustellen, daß sich seinem kraftvollen, präzisen, suggestiven Gedankengang niemand entziehen kann. Er reiht sich würdig an die großen Denker an, die das Judentum verherrlicht haben. Ist aber der Atavismus des jüdischen Gedankens mich bei ihm zu finden? Bevor wir auf diese Frage eingehen, betrachten wir sein abwechslungsreiches Leben. Er wurde in Lublin am 12. Februar 1859 geboren und entstammt einer Familie, die sich durch das Studium des Talmud berühmt gemacht hat. Erwähnen wir nur von väterlicher Seite den großen Rabbiner Landau aus Prag, der von Raschi abslammen soll. Sein Vater war Kaufmann und! zugleich Oberhaupt der Gemeinde, seine Mutter schrieb Romane in polnischer Sprache. Er studierte in Deutschland, ließ sich 1882 in Frankreich nieder und ist seit einigen Jahren französischer Staatsbürger. Schon vorher wurde er an Stelle des berühmten englischen Philosophen James Ward zum korrespondierenden Mitglied der Akademie gewählt. Meyerson beschränkt sich aber nicht nur auf die Philosophie, er spielt auch eine große Rolle im sozialen Leben. Als im Jahre 1892 die Juden aus Moskau verlrieben wurden, setzte er sich besonders für die jüdischen Interessen, ein. Gleich darauf beschäftigte er sich mit der Paläslinafrage, nahm Teil an der Organisation des Chovevc. Zion, deren Vorsitz im Pariser Komilee vor allem Narcisse Leven und Zadoc Kahn innehatten, und wurde auch Mitglied des Palästina-Komitees, das durch Baron Edmond de Rothschild gegründet wurde. Im Jahre 189S tritt er in Dienst der I. C. A. Er geht nach Rußland, um dort das große Werk dieser philanthropischen Gesellschaft zu organisieren und berichtet darüber in seinem „Recueal de Materiaux sur la Situation economique des Israelites en Russie", zwei große Bände in Quart, die 1904 in russischer, 1(J08 in französischer Sprache erschienen. Bei diesem enormen Werk hatte er elfhundert Mitarbeiter, darunter vor allem L. Bramson, den späteren Deputierten der Duma. Im Jahre 1923 verließ er aus Gesundheitsrücksichten die I. C. A. und wurde anläßlich seines Ausscheidens nach 25jähriger Tätigkeit Ehrendireklor dieser Vereinigung. Das ist kurzgefaßt das reichbewegte äußere Leben des Meisters. Aber ist dieses vielseitige Leben nicht echt jüdisch, erinnert es nicht an die gelehrten Handwerker des Talmud oder an Spinoza, der auch optische Gläser anfertigte?