Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Der Bücherladen
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DER BÜGIIERLADEN 81 Er brachte einen Stoß Bücher nach dem andern herein. Es war seine gewohnte Tagesarbeit, nichts weiter, aber Ezechiel, kam es vor, als sei er Aladins Sklave von der Wunderlampe. Ezechiel knüpfte sorgfältig den Bindladen auf und legte ihn mit dem Papier beiseite. Und da lagen nun, auf Papier, damit sie nicht beschmutzt würden, die bunten Bücher in ihren vielfarbigen Umschlägen. Wie Pilze aus dem Boden gewachsen, dachte er. ..Guten Morgen," sagte er dem Krämer, mit einer Stimme, in der er vergebens den Stolz zurückzudrängen suchte. „Meine Bücher werden schon geliefert. Könnten Sie mir vielleicht Kisten und Bretter leihen?'1 „Breiter habe ich nicht. Paar Kisten sind im Keller.'' Seit so vielen Jahren halte der Krämer jeden Gent dreimal umgedreht — nun fiel es ihm schwer, etwas umsonst herzugeben, und andrerseits sagte er sich, wenn er Ezechiel helfe, sei ihm sein Zins sicherer. „Gestern abend war es ja ganz dunkel bei Ihnen?" „Es hatte keinen Sinn, ollen zu halten, bevor ich meine Bücher hatte." Der Krämer sperrte den Keller auf und Ezechiel stieg hinunter. Da lag ein Riesenbauten leerer Kisten aller Art, kleine starke und große dünnwandige Kisten. „Legen Sie auf den Gehsteig heraus, was Sic haben wollen, und ich schaue mir's dann an." Ezechiel erinnerte sich seiner Knabenzeit, da er sich einen kleinen Wagen aus alten Kisten gezimmert hatte — da hatten sich die Seifenkisten am besten bewährt. Er suchte, bis er achtzehn herausgezerrt hatte. Es waren noch welche da, aber er wollte den Krämer auf keine gar zu harte Probe stellen. „Sie sind zehn Gent per Stück wert," sagte der. „Schön, ich werde ein Auge drauf haben, bis Sie sie hinübergetragen haben. — Sie werden sie wohl anstreichen, das wird gar nicht übel aussehen." „Ja, ich werde sie streichen", sagte Ezechiel laut, und für sich fügte er hinzu: „sobald ich Geld genug habe." Er stellte die Kisten an den zwei Seitenwänden auf, in zwei Gruppen zu neun — drei breit, drei hoch. Sie machten recht gute Bücherschränke. Das Fensterbrett mußte vorläufig als Bank dienen. Er hatte noch fünfzehn Gent für Kerzen übrig. Nun, solange er keine Lampe hatte, würde er eben nur bei Tageslicht verkaufen. Er machte einen Brei aus dem Mehl, das er von zuhause mitgebracht hatte, und damit klebte er die Anzeigen an das Fenster. Dann stellte er die Bücher in den oberen Kisten wie in Regalen auf, je ein Exemplar von jedem;