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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Bücherladen
Date
1932-01-01
Page
Seite 80 (sequence 7)
Language
German
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80 MENORAH stückt? Was hast du den ganzen Tag gegessen?" Sie sah ihm besorgt in die Augen. „Ich habe mir Frühstück und Mittag gekauft." „Wo hast du das Geld hergenommen?" „Ich habe es gefunden." Konnte ihr Sohn ein Dieb sein? Sie sah ihn an, die Augen aufgerissen, den Mund gespitzt. Er lächelte sie ruhig an. „Keine Angst, Mutter. Ich habe fünfunddreißig Cent in der Gosse gefunden, und dies habe ich noch übrig. Sieh her." Er zeigte ihr das Silberstück und die Nickelmünze, als ob sie ihre Herkunft beweisen könnten. Dann fiel ihm sein Durst ein und er trank ein Glas Wasser — so lein hatte ihm Wasser noch nie geschmeckt. „Wie ich damals fast überfahren wurde," dachte er, „war mir auch das Atmen ein neuer Genuß." Die Mutter sah ihn wehmütig an. Aber was konnte er ihr sagen? Wenn die Bücher gekommen waren, hätte er etwas zu erzählen gehabt. So aß er stumm. Als er fertig war, ging er mit dem Teller zur Wasserleitung. „Laß sein/4 sagte sie und schob ihn beiseite. „Ich wasch' ihn schon. Aber Zechi, sag, warum bist du den ganzen Tag im Geschäft geblieben? Erzähle doch." Sie hätte gern ihre Liebe zu ihm in einem langen Psalm ausgegossen, in Segen und klugem Rat, wie sie ihn als Mädchen in der Synagoge gehört hatte, aber ihre Zunge war steif geworden, wo es sich nicht um Handeln oder um Schelten drehte. Ihr Mann war schweigsam, sie verkehrten miteinander fast nur durch Gebärden und Brummlaute — wie ihre Hände und ihre Züge, so waren auch ihre Zungen derb und hart geworden. .Am nächsten Morgen ging Ezechiel mit solcher Ruhe in seinen Laden, w7ie ein ferner Vorfahre mit seinen Herden weitergezogen sein mochte, auf der Suche nach neuer Weide. Er wußte nicht, daß Weide da war, aber er hatte bisher immer welche gefunden — „bis nun hat uns der Herr nicht verlassen" — und er sah sich um, seiner Sache gewiß. Ezechiel hatte grade erst die Türe aufgeschlossen und ein Buch in die Hand genommen, um zu lesen, als ein riesiger Kutscher auf die Schwelle trat. „Gehört das Ihnen?" fragte er, und wies einen Lieferschein vor. „Jawohl."

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