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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Bücherladen
Date
1932-01-01
Page
Seite 79 (sequence 6)
Language
German
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DER BÜCHERLADEN 79 Er setzte sich wieder auf die Treppe. Zu Mittag wollte er bei seinem Hauswirt ein Päckchen Keks kanten, aber es üel ihm ein, daß er noch nichts vorzuweisen hatte, so schrieb er einen Zettel „Komme gleich", steckte ihn in die Tür, und rannte die Straße hinab zu einem anderen Händler, in Todesangst, es könne der Bote von Diamond mit den Büchern kommen, während er weg sei. Die Keks schmeckten wie Staub, aber er aß sie tapfer auf. Dann wollte er aus der hohlen Hand Wasser trinken, aber wie lange er es auch lauten ließ, es blieben immer schwarze Flocken drin. So beschloß er, lieber darauf zu verzichten. Der Durst würde vergehen, so wie auch Hunger und Kältegefühl mit der Zeit vergingen. Nach seiner Erfahrung war der Körper höflich und taktvoll: er meldet seine Bedürfnisse, und wenn sie nicht befriedigt werden, schließt er, daß es eben unmöglich sei, und quält nicht weiter. Er grübelte über den Körper, der seine eigene Weisheit hat, und dachte, wie doch jeder Teil sein eigenes Leben lebt. Er sah sich als ein Kompositum, sein Leben als eine Menge kleinster Teilchen, wie der Nebel, der zu Luft und zu Wasser wird, wenn das Welter sich ändert. Bilder wuchsen in ihm, wie Frostblumen auf den Scheiben, verflossen ineinander und schmolzen. Langsam verging der Nachmittag. Niemand trat ein, und die Vorübergehenden warfen höchstens hie und da einen flüchtigen Blick auf den Laden. Die Bücher von Diamond kamen nicht. Wie angenehm hatte der Tag begonnen — und nun endete er so still und traurig. Ezechiel fühlte, wie seine Enttäuschung in dem Meer menschlichen Elends unterging, das über die höchsten Häuser hinwegrauschte. Ob die Menschen einst, wTie die Korallen, auf den Skeletten der Vorgänger Land aufbauen würden? Er wartete, bis es stockdunkel wurde. Als er die Türe zusperrte, fiel ihm ein, daß Bücherläden oft am Abend offen seien, am Ende könne Diamond seinen Geschäftsdiener noch jetzt schicken. Er schloß wieder auf und wartete im Dunkeln. Sollte er vielleicht telephonieren? Sah es verdächtig aus, zu ungeduldig, wenn er anfragte? Oder sah es am Ende verdächtig aus, zu gleichgültig, wenn er nichts unternahm? Als er heimkam, war niemand da als seine Mutter. Sie stand in der Küche, und das Gaslicht fiel voll auf ihre gefurchte Stirn. ,.Wo hast du bloß gesteckt? Solche Angst habe ich schon um dich gehabt!" ..Ich habe auf Bücher gewartet, die man mir liefern sollte." Sie zündete das Gas unter dem Topf an. „Wo hast du gefrüh-

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