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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Bücherladen
Date
1932-01-01
Page
Seite 78 (sequence 5)
Language
German
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78 MENORAH hohe Federgras zu erreichen — da steht eine Gazelle, der Kopf ist in Todesangst zurückgeworfen. Da versteckt sich eine zweite im Gras, man sieht nur noch den weißen Schwanz. Der Himmel im Hintergrund ist goldgelb vom Widerschein der Flammen, im Vordergrund schwarz von Rauch." Er ließ die Rolle mit einer Handbewegung verschwinden, ohne sich die Mühe zu nehmen, sie zusammenzurollen. Sie stand dicht neben ihm. Es schien so einfach, den Arm um sie zu legen und zu sagen: „Nur ein Kuß zum Frühstück —". Sie wäre sicher nicht böse. Aber er hatte noch nie ein Mädchen geküßt und schrak davor zurück. Vielleicht war auch die chinesische Rolle mit den Flammen nicht die richtige Einführung. „Ich richte mir einen Bücherladen ein," sagte er statt dessen. „Ich hoffe, Sie werden kommen und sich meine Bücher ansehen, wenn ich sie erst habe." „Gern," meinte sie. „Ein paar haben Sie ja schon da?" „Die sind unverkäuflich. Es ist meine Privatbibliothek." Er beugte sich herab, um sie ihr zu zeigen, und dabei kamen die Aufschriften zum Vorschein, die er für das Schaufenster gemalt hatte. „Wie gefallen Ihnen diese Zettel? Ich kann mir noch keine richtigen Schilder leisten, da wollte ich die inzwischen an das Fenster kleben." Sie nahm die Zettel in die Hand: „Wer ist lrvine?" „Er ist ziemlich unbekannt. Ich habe nie etwas über ihn gelesen, und ich kenne auch von seinen Gedichten nur das wenige, was in Burrough's Anthologie steht. Wie gefällt Ihnen dies — aus dem ,Spätsommer' — ,Staccato zankt das Eichhorn aus dem Baum, Es fällt ein Zapfen — Stille wie zuvor.' Und dies aus dem Gedicht ,August im Pachthof4: ,Es schleppte sich der Tag dahin; so lastend dumpf Und schwül blieb auch der Abend und wir saßen Ermattet vor der Türe, schlaflos, stumpf.'" Sie sagte: „Das ist wunderschön," aber Ezechiel sah wohl, daß sie mechanisch sprach, daß ihre Gedanken weit fort waren. Sie schüttelte den Kopf, wie um sich aufzurütteln: „Ich danke Ihnen. Ich schreibe selbst. Verse. Nächstens komme ich einmal zu Ihnen und bringe sie mit. — Aber jetzt muß ich laufen." Sie gab ihm die Hand und flüchtete.

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