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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Nietzsche und das Judentum
Date
1932-01-01
Page
Seite 67 (sequence 9)
Language
German
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NIETZSCHE UND DAS JUDENTUM 67 statuieren und nicht nur statuieren, sondern gar lösen: den Sklaven - aufstand in der Moral! Es ändert nichts an der Tatsache, wenn er später das ressentiment als das psychologische Moment erkennt (darin übrigens von dem Juden Ree angeregt, den er nur scheinbar bekämpft). Wichtig ist: der Philologe Nietzsche wollte ein psychologisches Problem mit Hilfe der Philologie lösen. Ja, es ist beinahe der einzige philologische Versuch in seinem Gesainiwerk, und eben der entscheidende. Ich bin hier nicht imstande, den Philologen Nietzsche zu widerlegen. Es ist mir auch nicht bekannt, ob diese Widerlegung schon je versucht worden ist. Ich kann nur den Psychologen Nietzsche1 widerlegen. Jener „Sklavenaufstand" des Judentums — in seinen letzten Wurzeln — ist ein „Her renauf stand". Es ist zweifellos, daß — äußerlich gesehen —- Nietzsche vollkommen Recht hatte, wenn er in den arya die Verkörperung des Herrentums sah und in den Juden die Verkörperung des Sklaventums. Aber er übersah eines: in dem Sklaven lebt der W i 11 e zum Herrentum stärker als in dem Herrn, der schon die äußere Macht hat. Es war die große Tragik Nietzsches, daß er hier ein Ideal verherrlichte, das er selbst mithalf zu vernichten. So war es auch mit seinem Griechentum. Er glaubte es zu verherrlichen und er — vernichtete es. Nur in Einem haben sich Nietzsches Instinkte nie geirrt: i m C h r i s t en t u m. Dort aber bekämpft er nicht das Jüdische, sondern das Arische (Parsische, Buddhistische, Moralische, Platonische). Der S k 1 a v e n a u f s t a n d in de r M o r a 1 ist — im a u ß e iwörtlichen Sinne —- ebenso eine Fiktion seines Denkens, wie die decadence und der Feminismus. In Nietzsche haben „Mann'" und ..Weib", ,,Arier" und ,,Semit", .,Griechentum" und „Judentum" noch einmal den letzten entscheidenden Kampf gekämpft. IV. Das Paradox Nietzsche Ich sage also: Nietzsche ist ein Prophet des j ii d i s c h e n G e is t e s, nicht ein j ü d i s c h e r P r o p h e l! Man beachte, was ich damit sagen will. Ich meine nicht etwa K o n s a n g u i n i t ä t, sondern K o n g e n i a 1 i t ä t. Die abendländische Geschichte notwendig auf zwei Strukturprinzipien betrachtet, zeigt den erbitterten Kampf mit zwei Mächten. Ich meine hier nicht Mann und Weib, die ohnehin aller Menschheitsgeschichte vorausgehen, sondern im engeren Sinne: Griechentum und Judentum. Griechentum und Judentum waren die treibenden Faktoren (so wie es früher I n d i e n und B a b y-

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