Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Nietzsche und das Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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64 MENORAH sich seiner selber, seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf, — und wir Alle, Alle wollen uns mit ihm freuen!" Hier hat Nietzsche in seinem entscheidensten Buche des Überganges eine der vielen Morgenröten, die noch nicht geleuchtet haben'' klar umrissen. Er hat das Probte m des jüdischen Geistes inauguriert für E u r o p a. Sollte ihm, dem Psychologen, d i e psychologische Tatsache verschlossen geblieben sein, daß dies der Triumph des jüdischen Geistes über den Europas bedeutet; daß diese Erlösung nichts Anderes ist als geistige Macht? Ich spreche nicht weiler davon. — Jenseits von Gut und Böse (1885/86): Seite 217, Aph. 250 und 251: ..Ein Denker, der die Zukunft Europas auf seinem Gewissen hat, wird, bei allen Entwürfen, welche er bei sich über die Zukunft macht, mit den Juden rechnen wie mit den Bussen, als den zunächst sichersten und wahrscheinlichsten Faktoren im großen Spiel und Kampf der Kräfte . . . Daß die Juden, wenn sie wollten — oder wenn man sie dazu zwänge, wie es die Antisemiten zu wollen scheinen, — jetzt schon das Übergewicht, ja ganz wörtlich die Herrschaft über Europa haben k ö n nten, steht fest; daß sie nicht darauf hinarbeiten und Pläne machen, eben falls." Zur Genealogie der Moral (1887), Seite 458, Aph. 22: „Das alte Testament — ja, das ist etwas ganz Anderes: alle Achtung vor dem alten Testament! In ihm finde ich große Menschen, eine heroische Landschaft und etwas vom Allerseltensten auf Erden, die unvergleichliche Naivität des starken Herzens; mehr noch, ich finde ein Volk. Im neuen dagegen lauter kleine Sekten-Wirtschaft, lauter Rokoko der Seele, lauter Verschnörkeltes, Winkliges, Wunderliches, lauter Gonvcntikel-Liift, nicht zu vergessen einen gelegentlichen Hauch bukolischer Süßlichkeit, welcher der Epoche (u n d der römischen Provinz) angehört und nicht sowohl jüdisch als hellenisch ist." Seite 474, Aph. 26: ,,. . . ich mag auch sie nicht, diese neuesten Spekulanten in Idealismus, die Antisemiten, welche heute ihre Augen christlich-arisch-biedermännisch verdrehen und durch einen jede Geduld erschöpfenden Mißbrauch des wohlfeilsten Agitationsmittels, der moralischen Attitüde, alle Hornvieh-Elemente des Volkes aufzuregen suchen." — JLJem Philosemiten steht in scheinbarem Widerspruch der Antisemit Nietzsche gegenüber. Bei einer so paradoxen Natur darf dieser HL Der Antisemit