Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Nietzsche und das Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NIETZSCHE UND DAS JUDENTUM 63 Testament aufgeführt hat: ich meine den Versuch, das alle Testament den Juden unter dem Leihe wegzuziehen, mit der Behauptung, es enthalte nichts als christliche Lehren und gehöre den Christen als dem wahren Volke Israel: während die Juden es sich nur angemaßt hätten usw." — Seile 392, Aph. 205: ,,Zu den Schauspielen, auf welche uns das nächste Jahrhundert einladet, gehört die Entscheidung im Schicksale der europäischen Juden. Daß sie ihren Würfel geworfen, ihren Rubikon überschritten haben, greift man jetzt mit beiden Händen: es bleibt ihnen nur noch übrig, entweder die Herren Europas zu werden oder Europa zu verlieren, so wie sie vor langer Zeit Ägypten verloren, wo sie sich vor ein ähnliches Entweder-Oder gestellt halten . . . Man hat sie verächtlich machen wollen, dadurch daß man sie zwei Jahrtausende lang verächtlich behandelte und ihnen den Zugang zu allen Ehren, zu allem Ehrbaren verwehrte, dafür sie um so liefer in die schmutzigeren Gewerbe hineinstieß. ----- und wahrhaftig, sie sind unter dieser Prozedur nicht reinlicher geworden. Aber verächtlich? Sie haben selbst nie aufgehört, sich zu den höchsten Dingen berufen zu glauben, und ebenso haben die Tugenden aller Leidenden nie au ('gehört, sie zu schmücken. Die Ali, wie sie ihre Väter und ihre Kinder ehren, die Vernunft ihrer Ehen und Ehesitten zeichnet sie unter allen Europäern aus . . . Sie wissen selber am besten, daß an eine Eroberung Europas und an irgend welche Gewallsamkeil für sie nicht zu denken ist: wohl aber, dal» Europa irgendwann einmal wie eine völlige reife Frucht ihnen in die Hand fallen dürfte, welche sich ihr nur zu leicht entgegenstreckt. Inzwischen haben sie dazu nötig, auf allen Gebieten der europäischen Auszeichnung sich auszuzeichnen und unter den ersten zu stehen: bis sie es so weit bringen, das, was auszeichnen soll, selber zu bestimmen. Dann werden sie die Erfinder und Wegzeiger der Europäer heißen und nicht mehr deren Scham beleidigen. Und wohin soll auch diese Fülle angesammelter großer Eindrücke, welche die jüdische Geschiehle für jede jüdische Familie ausmacht, diese Fülle von Leidenschaften. Tugenden, Entschlüssen, Entsagungen. Kämpfen, Siegen aller Art - wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige Menschen und Werke! Dann, wenn die Juden auf solche Edelsteine und goldenen Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben, wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten, wenn Israel seine ewige Hache in eine ewige Segnung Europas verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein, an dem der alle Judengott