Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Nietzsche und das Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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62 MENORAH II Der Philo sentit ^Nietzsche bckämpi't den christlichen M o r a l i s m u s, nicht aber die jüdische Ethik. Der Moralismus ist die Tat des Christentums. Ist die Tat des P a u 1 u s, dieses durch griechische und römische Schulung gegangenen ,,Professoren" der Theologie. Kein Jude mit gesundem Empfinden wird Nietzsche die Charakterisierung dieses Moral-Pädagogen übel nehmen, denn er ist der Rationalist katexochen. Im übrigen hat Nietzsche über das Judentum und selbst über die Person Christi die schönsten Worte gel"unden. Mcnschl. Allzumenschl. (1876/78). Seite 353, Aph. 475: ..Beiläufig: das ganze Problem der Juden ist nur innerhalb der nationalen Staaten vorhanden, insofern hier überall ihre Tatkräftigkeit und höhere Intelligenz, ihr in langer Leidensschule von Geschlecht zu Geschlecht angehäuftes Geist- und Willenskapital in einem neid- und haßerweckenden Maße zum (Ibergewicht kommen muß, so daß die literarische Unart fast in allen jetzigen Nationen überhand nimmt - und zwar je mehr diese sich wieder national gebärden — die Juden als Siindenböcke aller möglichen öffentlichen und inneren Übelstände zur Schlachtbank zu führen . . . Trotzdem möchte ich wissen, wie viel man bei einer Gesamtabrechnung einem Volke nachsehen muß. welches nicht ohne unser aller Schuld, die leidvollste Geschichte unter allen Völkern gehabt hat, und dem man den edels ton Menschen (Chrisiiis) (man höre Nietzsche: den edelsten Menschen!!), den reinsten Weisen (Spinoza), das mächtigste Buch und das wirkungsvollste Siltengeselz der Welt verdankt." Morgenröte (1880/81), Seite 262, Aph. 72: „Die Juden, als ein Volk, welches am Leben hing und hängt, gleich den Griechen und mehr als die Griechen, hatten jene Vorstellungen des .,Nach-dem-Tode" (der Höllenstrafe) wenig ausgebaut: der endgillige Tod als die Strafe des Sünders, und niemals wieder auferstehen als äußerste Drohung, ----- das wirkte schon stark genug auf diese sonderbaren Menschen, welche ihren Leib nicht loswerden wollten, sondern ihn, mit ihrem verleinerlen Agypticismus, in aller Ewigkeit zu retten holTten." Die stärkste Illustration dafür, daß das Judentum eine Religion des Lebens war, das Christentum — durch „arische" Einflüsse — eine Religion des Todes! — Seite 273, Aph. 84: ,,Zuletzt aber, was soll man von den Nachwirkungen einer Religion erwarten, welche in den Jahrhunderten ihrer Begründung jenes unerhörte philologische Possenspiel um das alte