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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Nietzsche und das Judentum
Date
1932-01-01
Page
Seite 61 (sequence 3)
Language
German
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NIETZSCHE UND DAS JUDENTUM 61 liebe", die Liebe zu ,,Ich werde sein" (Jahwe). Der Jude sieht hinter Gut und Böse, er hat eine Rieh t u n g, also etwas, was noch keine begrifflichen Wertunterschiede kennt. Erst später ist das entstanden, was B u Li e r den ,,gekrönten Leichnam des Gesetzes" nennt. IV. Nietzsches ästhetisches Verhalten. Alan vergesse nicht die intime Korrespondenz von Religion und Kunst. I) a s L e b e n d e r antike n J u d e n ist ei n r e i n ä s t h e t i s c h religiöses. Reides Hießt aus dem Phänomen der reinen Zeitlichkeit. Daß sie zu der Bildenden Knust kein Verhältnis hallen, liegt daran, daß die Musik als ästhetisches Pendant an ihre Stelle trat. Das ästhetische Verhalten liegt bei Nietzsche im heraklitischen Spiel, in der Musik, im Tanz, im Gesang. (Zarathustra ist der Ausdruck seiner dichterischen Sehnsucht!) Ist das nicht jüdisch im antiken und modernen Sinne? Nietzsche hat den Zweck eliminiert? Sein Verhallen ist keinem Zweck unterstellt? (Vgl. Moritz Goldsleins geistvolle Schritt. Der Wert des Zwecklosen!) Weil er ihn mit dem ganzen Aufwand seiner gewaltsamen Rhetorik veraltscheute. Aber war er nicht auch Atheist, Antifeminisl. Antiromantiker, Antidialekliker und so weiter, ohne zu wissen, daß er das alles im K e r n seiner Lehre n i c Ii t war? Die Perhorreszenz des Zweckes war bei ihm nur eine scheinbare. Die Lösung der Frage liegt bei seiner Formel: ..Wille zur Macht". V. Vergessen wir nicht die L i n f1 ü s s e, die er aus dem jüdischen Schrifttum empfing. In erster Linie S p i n o z a. In Spinoza sah er den verwandtesten Kern seiner Lehre, das Jenseits von Gut und Rose. Daß er den Amor dei haßte? (..Am Judengott fraß Judenhaß"). Hier stritt er nur mit Worten. Der Geis t s einer Lehre liegt i m w es e n 11 i c h e n in S p i n o z a s ,,E t h i k'\ U n d S p i n o z a s E t h i k, S p i n o z a s Gottes I) e g r i f f, ist in der Lehr e des J u d e nl u in s v o r g e d e u t e t. Auch ich bekenne mich mit Constanlin Rrunner zu dieser Ansicht! Ree hat ihn zu den Problemen der Moral tiefer angeregt. Von Heinrich Meine und von der lutherischen Ribellibersetzung hat er die sprachlichen Anregungen empfanden. Man vergleich dazu die enthusiastischen Stellen über Heines Sprache und den Zarathustra. Es will gerade bei Nietzsche so ungeheuer viel sagen, da seine schillernde suggestive Sprachkraft ja nur wenige Grundgedanken enthalt, die hinter dem Gewände seines assertorischen Pathos versleckt bleiben, wenn man keine Witterung dafür hat. Jene bildhafte Unwörtlichkeit der biblischen Sprache und der Sprache Heines ist es. die ihn zum neuen Sprachschöpfer gemacht hat.

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