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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Nietzsche und das Judentum
Date
1932-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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60 MENORAH Fieberkranklieit der Kultur bis in seine letzten Fundamente dämonisch unterwühlt. Mit ihm hat eine Art neue Ii ermeneutik einzusetzen. Wir müssen deuten. Und am allerersten Nietzsche selbst. Daß wir ihn aber zum Judentum hinzudeuten haben und nicht zum Griechentum? Worin begründet sich diese Berechtigung? I. Nietzsche grenzte das Problem der Moral ab in Christentum und die Einflüsse aus dem Zend Avesta. (Also sprach Zarathustra.) Gelegentlich berührte er die platonischen Einflüsse. Das Judentum berührt er nur selten. (Genealogie der Moral.) Alle arideren Aussprüche sind philosemitisch. Entscheidend ist: avestisch-christlich-platonisch. Es zeigt die E n t f e r n u n g vom jüdische n Geist. II. Die jüdische Ethik ist G a 11 u n g s e t h i k. Nietzsche ist w icdcr der erst e G a t t u n g s e t h i k e r. Zugunsten der starken Gattung Ausrodung der schwachen. (Judentum als starke Gattung!!) Der Übermensch spielt bei Nietzsche eine unterschiedliche Holle. Bald ein Phantom der Zukunft, eine Art Demiurg, bald ein biologisch-physiologisch höherer Typus, bald geistig, bald körperlich, bald der schaffende Mensch, bald der ästhetisch Betrachtende oder Erlebende, bald der Wertgebende, bald der Zerstörende usw. E r i s l d e r I n 1) e g r i f f eines gotth altige n Wortes. Darum ist er unanfaßbar (nicht unfaßbar!), spielt auf jeden Fall nicht die Rolle des konkret-individualistischen Typus. Um ihn kristallisiert sich dieselbe ,,Ethik" wie um J a h w e. Das individualistische Problem Nietzsches liegt nicht auf der Linie des Übermenschen (Uber-Menschen), sondern bei dem ,,P a t h o s der D i s t a n z". Aber „P athos der Distanz": ist das n i c h t die F o r in e 1 der j ü d i s c h e n G attungsct h i k? •III. Nietzsches Jenseits von Gut u n d B ose. Der Jude steht jenseits von Gut und Böse. Ganz abgesehen von den bis heute von dem Juden kaum verstandenen BegrilTsgegensätzen des Parsismus, deren Geburt Nietzsche mit feinen Instinkten bei Zoroaster erkannte, hat der Jude nur die Vorstellung einer Welt Dualit ä 1. (Adam und Eva) und einer inneren R i c h t u n g. Diese innere Richtung ist Jahwe, die Idee der Erlösung ( Macht). Alles andere gilt ihm nicht. Durch Jahwe steht er j e n s e i t s von Gut und Böse. Alle V o r- Schriften d e r Handlung beziehen sich erst a u f Jah w e u n d dann erst a u f die M e n s c h e n. Hat man diese wichtigste Tatsache schon beachtet? Jahwe muß durchgesetzt werden um jeden Preis. Nicht die Sünde" am Nächsten ist die wichtigste, sondern die ,,Sünde" an Jahwe, das Loslassen von der Idee. In mehr als nur im wortspielerischen Sinne gilt für den Juden die „Fernsten-

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