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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
Date
1932-01-01
Page
Seite 54 (sequence 7)
Language
German
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54 MENORAH oder etwa 38% Juden beschäftigt — hier auch ein Durchschnitt von ca. 200 jüdische Arbeiter pro Fabrik. Noch interessanter sind einige Zahlen aus der Ukraine. Es ist uns gelungen, Angaben über 26 Fabriken mit je mehr als 100 jüdischen Arbeitern zu erfassen, in denen insgesamt 18.643 jüdische Arbeiter beschäftigt sind, d. i. durchschnittlich über 700 jüdische Arbeiter pro Fabrik. Unter diesen 26 Fabriken sind 10 mit insgesamt 13.550 jüdischen Arbeiter gezählt worden, also ein Durchschnitt von über 1300 jüdische Arbeiter pro Fabrik. Über die Gesamtzahl der Arbeiter in diesen Fabriken liegen leider nur Angaben aus 14 Fabriken vor, in denen 23.185 Arbeiter, darunter 12.725 oder etwa 55% Juden, beschäftigt sind. In 5 Schneiderfabriken, in denen die Arbeiterzahl 1000 nicht überstieg, machten die Juden über 90% der Gesamtzahl aus; in 5 Betrieben mit je 1000—2000 Arbeitern betrug der Anteil der Juden etwa 45%. Es liegt auf der Hand, daß es nicht nur eine Menge Fabriken mit 600—700, sondern auch mit über 1000 jüdischen Arbeitern gibt. Unter dem Zwang bolschewistischer Wirtschaftsmethoden vollzog sich ein nie dagewesener Umschichtungsprozeß der jüdischen Bevölkerung. Die Folgen einer jahrhundertelangen Entwicklung können aber nicht in einem Jahrzehnt ausgemerzt werden. Die jüdische Arbeiterklasse Sowjetrußlands trägt noch ganz deutliche Spuren früherer Erwerbsquellen. Von je 100 Lohnempfängern in Sowjetrußland sind bei den Juden über 60% Beamte und Angestellte, während bei den Nichtjuden diese Gruppen nur 40% ausmachen. In Moskau sind etwa 80% und in Leningrad etwa 70% aller jüdischen Lohnempfänger Beamte und Angestellte. Mit physischer Arbeit im engeren Sinne ist also nur eine kleine Minderheit der arbeitenden Juden beschäftigt: in Moskau — nur ein Fünftel sämtlicher jüdischer Lohnempfänger, in Leningrad — ein Drittel und in Sowjetrußland überhaupt — kaum zwei Fünftel der Gesamtzahl jüdischer Lohnempfänger. Die Beamten und Angestellten sind die überwiegend stärkste Klasse der sowjetrussischen Juden. Überall in der Welt sind die Juden in den schwere physische Arbeit verlangenden Betrieben bedeutend schwächer vertreten als die Nichtjuden; diese typische Erscheinung des jüdischen ökonomischen Lebens ist auch in Sowjetrußland nicht ganz verschwunden. In der Ukraine z. B. sind beinahe 55% der jüdischen Arbeiter in vier Leichtindustrien konzentriert, während nur 11%, also fünfmal weniger, der nichtjüdischen Arbeiter in diesen Industrien beschäftigt sind. Dagegen sind im Bergbau, in der Zuckerindustrie und im Verkehr

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