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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
Date
1932-01-01
Page
Seite 53 (sequence 6)
Language
German
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WANDLUNGEN IM LEBEN DER JUDEN 53 Drittel ihre Wirtschaften verlassen, manche Siedlungen haben sich einfach von sich seihst aus aufgelöst. Kalinindorfer Bezirk ist keine Ausnahme, auch in anderen Bezirken werden Siedlungen von ihren Siedlern verlassen. Im Frühjahr 1931 wurde die planmäßige Ansiedlung in den ukrainischen Kolonien kaum zu einem Kim fiel der beabsichtigten Zahl durchgeführt, in der Krim —- kaum zur Hälfte. Nur in Biro-Bidschnn wurde die Zahl der neuen Überwanderer sogar größer von der ursprünglich beabsichtigten, es handelt sich aber hier um kleine Zahlen, aus denen keine Schlußfolgerungen gemacht werden können. Es llüchten aus den Kolonien nicht nur Jugendliche, sondern auch iiilere .luden, die ihren Boden bereits bebaut haben. Auf der Jagd nach imposanten Zittern hat man das Menschemnaterial in Mengen nach den Siedlungen gebracht, ehe die elementarsten Voraussetzungen dazu gegeben waren; bis heute sind noch keine erträglichen Lebensbedingungen in den Kolonien geschaffen, die die Kolonisten an ihre Stätten fesseln sollen. Auch sind keine kulturellen Bedingungen geschaffen worden, die die Jugend in die Kolonien binden könnten. Die jüdische Bevölkerung brachte nur wenig Begeisterung für die Kolonisation auf. der sie sich bloß aus Hungersnot, zuwandte. Sogar die Perspektive einer selbständigen jüdischen Republik vermochte nicht unter bolschewistischen Methoden viel Pal hos unter der jüdischen Bevölkerung auszulösen. Viel bedeutendere wirtschaftliche Ergebnisse brachte die Industrialisierung. Etwa 100.000 jüdische Arbeiter sind in die Schwer- und (iroßindustrie hineingezogen worden. Inwieweit es den jüdischen Arbeitern gelungen ist, in die Großbetriebe der Industrie einzudringen, darüber geben folgende zur Verfügung stehenden Angaben Aufschluß. Aus Weißrußland liegen Angaben über 52 Fabriken aus den Jahren 1928 und 1929 vor. In diesen 52 Fabriken mit je mehr als 100 Arbeitern waren insgesamt 27.896 Arbeiter beschäftigt, darunter 10.939 oder über od(/o Juden. In 5 Schneiderei-Betrieben mit insgesamt 4693 Arbeitern, also diircbschniltlich über 900 Arbeitskräfte pro Fabrik, waren 3661 luden oder ganze 78Cr der Gesamtzahl beschäftigt, d. i. durchschnittlich über 700 jüdische Arbeiter pro Fabrik. Sechs Schuhfabriken mit 1998 Arbeitern zählten 1555 oder ca. 78% Juden — also auch eine jüdische Mehrheit und eine Durchschnittszahl von über 250 jüdische Arbeiter pro Fabrik. In manchen Schneider- und Schuhfabriken machen die Juden 80—90% aus; wo sie auch in der Minderheit sind, ist ihre Zahl hoch genug, um nicht in der Masse fremder Arbeiter verwischt zu werden. In 5 Metaüfabriken mit 2555 Arbeitern waren 965

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