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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
Date
1932-01-01
Page
Seite 52 (sequence 5)
Language
German
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52 MENORAH So dauerte die furchtbare Krise bis 1929 an: die Zahl der deklassierten jüdischen Elemente war stets im Wachsen begriffen, die Kolonisation und Industrialisierung vermochten nicht einmal ein Drittel der aus dem Handelsgewerbe herausgestoßenen zu absorbieren. Erst Ende 1929 und hauptsächlich in 1930 hat eine Besserung ein. Durch das schnelle Tempo der Industrialisierung wurden bedeutende. Massen entwurzelter Juden in die Fabriken und großen Werkstätten gebracht, die Versorgung der Heimarbeiter mit Bohslolfen hat Fortschritte gemacht, die Zahl der jüdischen Deklassierten begann zu sinken: von einer Million in 1928. etwa mehr als ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung, ist sie auf elwa 500.000 in 1930 zurückgegangen, heule würde sie mit kaum mehr als 300.000 zu beziffern sein. Stellt man das Gewinn- und Verlustkonto der Juden Sowjetrußlands einander gegenüber, so ist gewiß das letzlere im Übergewicht, es muß aber zugegeben werden, daß auch das Gewinnkonlo an und für sich bedeutende Posten zu verzeichnen hat. In den letzten 7 Jahren wurden beinahe 30.000 jüdische Familien, also etwa 125.000 jüdische Seelen, auf dem [lachen Lande angesiedelt. Insgesamt sind in der Nachkriegszeil über 175.000 Juden neu zur Landwirtschaft übergegangen und heutzutage ziehen ihren Erwerb aus der Landwirtschaft etwa 8—9[ i der jüdischen Bevölkerung Sowjet - rußlands -—- dreimal soviel als vor dem Kriege. Mit ungeheuren Opfern ist dies erreicht worden, unmenschliche Leiden hatten und haben noch heule die jüdischen Kolonisten zu ertragen, — das ist ein Kapitel für sich, das erst erzählt werden muß. Der Leidensweg der jüdischen Kolonisten in Argentinien, z. R., die nicht wenig von den JCA-ßeamlen zu leiden hatten, ist ein Kinderspiel im Vergleich mit dem Mürtyrertum der in Sowjelrußland in den letzten Jahren kolonisierten jüdischen Siedler. Und nach all den Opfern und Entbehrungen verlassen jetzt die Kolonisten in Massen ihre Siedhingen. Die traurige Lage in den jüdischen Kolonien wird selbst von der kommunistischen Presse zugegeben, die offen schreibt, der Abfluß übersteige den Zufluß. Schuld an dieser trostlosen Lage sind nicht die Juden, sondern die Kollektivierungsmaßnahinen der Sowjetregierung und die äußerst schweren Bedingungen, mit denen die jüdischen Siedler zu kämpfen haben. Nach den Angaben der Sowjetpresse befanden sich Juli 1930 in den Siedlungen des Kalinindorfer Bezirks 15.418 Seelen, Juli 1931 aber nur 11.465 — um ganze 4000 weniger. Der Abiluß ist aber noch nicht zum Stillstand gebracht, die Flucht aus den Kolonien hält an und auch von den im laufenden Jahre neu hinzugekommenen haben bereits zwei

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