Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 4)
- Language
- German
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WANDLUNGEN IM LEBEN DER JUDEN 51 demente auszurotten, — hei der jüdischen Bevölkerung wurde aher in den ersten Jahren des Sowjetsystems gerade das Gegenteil erreicht: eine Verringerung der Zahl der mehr oder weniger privilegierten Arheiter und Handwerker und ein enormes Anwuchsen der verschmähten und rechtlosen Handel treibenden. L_js würde uns zu weit rühren, wollten wir den ganzen Leidensweg schildern, den das russische Judentum in den ersten 10—12 Jahren der Sowjelherrschal't zurückgelegt hat. Hunger und Not, Epidemien, Pogrome, Antisemitismus, elende Frauen und Kinder, in Friedhöfe verwandelte Städtchen, Trümmer, Untergang und Vernichtung, grausame, unmenschliche Vernichtung — all das war noch vom Ilexentanz der j.Jewscktia" begleitet, die sadistisch alles zerstörte, was der jüdischen Bevölkerung an materiellen und geistigen Gütern teuer und heilig war. Diese verzweifelte Lage der gesamten jüdischen Bevölkerung Sowjetrußlands hielt bis Ende 1929 mit fast unverminderter Schärfe an. Hier und dort war ein Schein der Hollnung zu merken, eine geringe Erleichterung der schweren Situation, im allgemeinen herrschte aber überall der Zerstörungsgeist und die trostloseste Not. Die jüdischen Kommunisten scheuten und scheuen auch heute nicht, alle Glocken über ihre Aufbauarbeit zu läuten, um die finanzielle Unterstützung des Welt judenlums in Anspruch zu nehmen, setzten aber ihr Vernichtungswerk in unvermindertem Tempo fort. Der in den letzten Jahren wieder angesagte und gesteigerte Kampf gegen den Handel ruinierte den Best der jüdischen Händler, die sich noch an die Kleinkrämerei klammerten und mit Mühe und Not aus ihr ihr kümmerliches Leben fristeten. Eine Untersuchung, in 25 Kleinstädten der Ukraine durchgeführt, zeigte, daß im Jahre 1926 Juden in diesen 25 Orten insgesamt 3248 Handelslizenzen erhalten haben, während es derer im Jahre 1928 nur 2174 gab, ein Drittel weniger, 1929 auch die Mehrzahl des Restes aufgelöst war; die oll'enen Läden dieser 25 Kleinstädte waren bereits in 1928 fast vollzählig geschlossen, verblieben sind nur die Kleinhändler, die mit der Ware auf den Marktplatz gingen. Derselben Untersuchung ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter gering war, da eine Großindustrie in diesen Städtchen fehlte, bei den Hausgewerbetreibenden aber waren Lohnarbeiter sehr selten anzutreten; die materielle Lage der Handwerker und Heimarbeiter war äußerst schwer, es fehlten Rohstoffe und die Arbeit mußte öfters für lange Zeit unterbrochen werden, der Verdienst war außerordentlich gering.