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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
Date
1932-01-01
Page
Seite 50 (sequence 3)
Language
German
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50 MENORAH mußte und deshalb nur selten beschäftigt war. Wem es gelungen war, ausreichend Rohstoffe zu erschwingen, der fürchtete Arbeitskräfte anzustellen, wenn er auch mit Bestellungen überschüttet war: die Ausnutzung fremder Arbeitskraft konnte ihm nicht die besonderen Staatsabgaben decken, die mit der Stellung eines „Unternehmers'* verbunden waren. Das Gros der jüdischen Arbeiter wurde „selbständig": mit Mühe und Not erwischte man eine Nähmaschine oder ein paar Schuhmacher- Instrumente und eröffnete selbst eine Werkstatt. Die Zahl der jüdischen Arbeiter, der einzig in Sowjetrußland privilegierten Klasse, ist erheblich gesunken. In den staatlichen Betrieben wTarcn nur ganz wenige jüdische Arbeiter anzutreffen; das verbliebene Häuflein jüdischer Arbeiter war meistens in privaten Werkstätten beschäftigt und mußte unter sehr schweren Bedingungen arbeiten. Etwas günstiger war die Situation in den Großstädten, wo erstens die Juden einen ganz bedeutenden Prozentsatz der staatlichen Beamten und Angestellten lieferten und zweitens ein gewisser Teil der jüdischen Arbeiter in die schon damals organisierten großen Schneider- und Sdiuhmacl 1 er-Werkstatten eindrang. Wenn bei der nicht jüdischen Bevölkerung, die überhaupt einen nur geringen Teil an von dem neuem Regiment verfolgten Vermittlerdementen aufzuweisen hatte, die Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung schon in den ersten Jahren zu einer absoluten und relativen Verminderung dieser Elemente führte, waren die Ergehnisse bei der jüdischen Bevölkerung gerade das Gegenteil. Ein nicht unerheblicher Teil der nichtjüdischen städtischen Händler und Handwerker verließ die Stadt und flüchtete aufs flache Land, wo er auf irgend eine Weise wieder an die Landwirtschaft Anschluß fand. Die Zahl der nichtjüdischen städtischen Arbeiter, die sich vor dem „NEP" (neue ökonomische Politik) dem Schleichhandel und in den „NEP"-Jahren dem Markthandel zuwandten, war im Vergleich zur großen Masse nichtjüdischer Händler, die diese ihre Erwerbsquelle aufgegeben haben, aufs flache Land zurückgekehrt waren und meistens zur Landwirtschaft übergingen, verschwindend gering. Ganz anders waren die Verhältnisse bei der jüdischen Bevölkerung. Die Zahl derer, die sich spontan der Landwdr tschaft noch vor der umfangreichen Kolonisations- Tätigkeit der „Jewsekzia" (Jüdische Abteilung der Kommunistischen Partei) und des „Joint" zuwandten, war äußerst gering. Dagegen war ungeheuer groß die Zahl der jüdischen Arbeiter und Hausgewerbetreibende, die genötigt waren, die Werkstatt und die Fabrik zu verlassen. Die Sowjet-Regierung strebte mit allen Mitteln die Vermittler-

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