Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Wandlungen im Leben der Juden Sowjetrusslands
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 2)
- Language
- German
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WANDLUNGEN IM LEBEN HER .IUDEX 49 satz. der seinen Ursprung in der politischen Vergangenheit und der eigenartigen sozialen Gliederung des russischen Judentums hat. hat viel dazu heigetragen, daß die Beziehungen der Juden der ganzen Welt zu der Sowjet-Regierung sehr kompliziert wurden und daß die Antisemiten der ganzen Welt einfach in der Sowjetmacht nur eine Vertreterin jüdischer Interessen sah. In sehr hohem Maße wirkte sich in Bezug auf die Juden der Gegensatz zwischen Stadt und Dort* aus. In der ersten Periode der bolschewistischen Revolution hatte man die Stadt zertrümmert, so daß die. Produktion der Großindustrie im Jahre 1920 bis auf 18 v. IL der VorkriegszitTer gesunken ist. während auf dem Ilachen Lande alle (ielrei(leül)erschiisse requiriert wurden und die Bauern dazu übergingen, nur für eigenen Gebrauch landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen. Über 90 v. IL der Juden lebten in der Stadt, während über 80 v. H. der nichtjüdischen Bevölkerung auf dem Lande lebten. Die Beschäftigten im Handel, die selbständigen Handwerker, die industriellen Unternehmer und die anderen bürgerlichen Elemente zusammen genommen, machten bei den Juden über drei Viertel, bei den Niehtjuden aber kaum 10 v. FL (ohne die reichen Bauern) aller Erwerbstätigen aus. Es ist somit klar, daß die Juden in erster Linie von der Zerstörungspolitik der Bolschewiki betroffen wurden. Besonders erschwerte noch die Lage der jüdischen Massen das Fehlc]i eines Bauerntums, das sich in Rußland überhaupt als das widerstandsfähigste Glied des russischen WirtschafIsorganismus herausstellte. Als ein Volk der Händler und Handwerker waren die Juden von der revolutionären Regierung stiefmütterlich behandelt und sogar für das jüdische Handwerker-Proletariat wurde erst dann gesorgt, als das Fabrikprolctariat im großen Ganzen bereits in der Produktion verankert war. Im Jahre 1925 erreichte die Krise der jüdischen Bevölkerung ihren Höhepunkt. Nicht nur war die jüdische Groß- und Miltelbourgeoisie vernichtet und deren Platz von einer ungeheuren Menge von Straßenhändlern, Kleinkrämern und Schiebern eingenommen, die von ihren gewagtesten gefahrvollen Kleingesehäften kaum trockenes Brot verdienten, sondern waren auch der jüdische selbständige Handwerker und I landwerks-Arbeiter gänzlich zum Untergang verurteilt. Der Mangel an RohsloiTen führte dazu, daß nur die großen staatlichen Unternehmungen mit ihnen versorgt waren, während der Handwerker sie zu unerschwinglichen Preisen auf dem halb-legitimen Privatmarkt einkaufen oder durch Entwendungen aus den Staatsbetrieben erwerben