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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 42

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Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Zwischen den Fronten
Date
1932-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 ME N ORAH zige Reich gewesen war, das den aus Spanien vertriebenen Juden die Tore geöiTnet halte. In der Praxis jedoch konnten wir uns als Kulturmenschen keineswegs mit dem Gedanken befreunden, uns der Herrschaft eines Volkes unterzuordnen, das auf so tiefer Zivilisationsstufe stand und dessen politische Regierungsform primitiv und brutal war. Physische Kraft, die sich gewalttätig Gehorsam verschallt, erweckt Haß und Ekel bei den Unterdrückten, es sei denn, daß sie von einer höheren sittlichen Macht gelenkt wird, die die Herzen an sich zu reißen und zu fesseln versteht. Und die Türkei hatte weder kraft ihrer inneren Ordnung noch kraft ihrer Geschichte noch mit ihren zukünftigen Bestrebungen unsere Brüder an sich zu fesseln vermocht. Alle unsere Begegnungen mit den Türken hinterließen in uns den Eindruck, als mangelte es ihnen an jedem nationalen menschlichen Ideal, an jeder gesellschaftlichen Verantwortung oder jeder höheren sittlichen Tendenz. Der Bakschisch war allmächtig, die Möglichkeit, sich vom Militärdienst loszukaufen, die Fernhaltung der Frau von jeder politischen Tätigkeit und besonders die schamlose Kapitulation — all das verdrängte aus dem Innern der Einwohnerschaft jedes Gefühl für das Vaterland und führte in den Ländern des mächtigen Oltomanisehen Reiches zu einer gesellschaftlichen und politischen Demoralisation. Und welcher Kulturmensch wollte eine solche Gemeinschaft anstreben? . . . Und um jene Zeit schien die Türkei es geradezu darauf abgesehen zu haben, sich bei ihren Untertanen, gleichgültig, ob Juden oder Araber, verhaßt zu machen. Sie führte ein Regime, das sich noch gewalttätiger und grausamer gebärdete als in Feindesland. So fand die Ansicht Verbreitung, daß der Sieg Deutschlands und der Türkei lediglich eine Kräftigung der Reaktion und des militaristischen Geistes verursachen, während der Sieg der Entente den humanitären Ideen der Gerechtigkeit, der Freiheit und Gleichheit bei allen Nationen der Welt zum Durchbruch verhelfen würde. Nichtsdestoweniger nahmen wir alle, die wir Untertanen der Ententemächte waren, die türkische Staatsbürgerschaft an. Wir legten Fez an und ließen die Prozedur der Naturalisierung über uns ergehen, die sich viele Monate hinzog und einen Haufen Geld kostete. Wir nahmen die türkische Staatsbürgerschaft an in der bestimmten Erkenntnis, der jüdischen Siedlung gegenüber die Pflicht erfüllen zu müssen, unter jeder Bedingung und um jeden Preis im Lande zu verbleiben, nur um das bereits Bestehende schützen zu können. Wir empfanden oder besser: wir erkannten, daß wir, wenn wir mit dem Boden der Heimat verbunden bleiben und all das bewahren, was wir unter sonderbaren

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