Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-01-01
- Page
- 41 (sequence 1)
- Language
- German
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ZWISCHEN DEN FRONTEN Mover D i z c n g o I' I', Biirgernieisler der Stadl Tel-Aviv, Iii1!.! vor kurzem seine Erinnerungen aus den Jahren 1914 bis MUS in Buchform unter dem Titel ..Mit Tel-Aviv in die Verbannung" erscheinen. Mit freundlicher Genehmigung des Autors \ erölTejiUichen wir im Nachstehenden auszugsweise einige Kapitel, die in eindrucksvoller, sachlicher Art das Schicksal der jüdischen Siedlung in Paliistina in den Jahren des Wellkrieges schildern. Die Redaktion. Die politische Lage hei Kriegsaushruck u Beginn des Wellkrieges bestand die jüdische Siedlung in Palästina zum größten Teil aus russischen Untertanen. Und als sich die Türkei den Mächten des Dreibunds anschloß, wußten, wir russischen Untertanen nicht ein noch aus, denn Rußland stand ja bekanntlich im Lager der Entente. Es war klar, daß wir, wenn wir die russische Staatsbürgerschaft hätten beibehalten wollen, als Feinde" der Türkei angesehen und zugleich mit unserem Konsul ausgewiesen worden wären. In diesem Falle hätten wir unser Hab und Gut opfern müssen, und auch die Generationen alte Hoffnung, deren Pioniere wir waren, wäre dahin. Wollten wir uns aber naturalisieren und im Lande verbleiben, so mußten wir türkische Patrioten werden und gegen Frankreich und England kämpfen, die Erlösung und Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hatten . . . Zwar gab es viele unter uns, die dem deutschen Genius Verehrung entgegenbrachten und dem stralf organisierten und disziplinierten deutschen Heer den Sieg prophezeiten. Manche hielten Deutschland damals auch die Berliner „Haskalah" zugute und die jüdische Gelehrsamkeit, die sich dort entwickelt hatte, und wollten damit die Herzen der Juden in Palästina zum Dreibund bekehren und die öffentliche Meinung zugunsten der Türkei beeinflussen. Der deutsche Konsul sah die Juden Palästinas bereits als ,.l)eiilsehspreehende" an, die quasi unter dem Schutze der deutschen Flagge standen, und war immer bereit, sie bei jeder heranrückenden Gefahr zu beschützen. Und das war es auch, was uns in unserer HolTnung bestärkte, daß unser Land, falls der Dreibund siegen sollte, mit Hilfe Deutschlands aufgebaut werden würde. Im allgemeinen aber waren wir von der Türkei nicht sehr erbaut. Der Theorie nach hatten wir zwar erkannt, daß wir, wenn wir in Palästina leben und -arbeiten wollten, unser Schicksal zunächst mit dem Schicksal des Oltomanischen Reiches verknüpfen und treue türkische Bürger sein müßten. Wir riefen uns auch die historische Tatsache ins Gedächtnis, daß die mohammedanische Türkei das ein-