Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Holzsynagogen in Polen
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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HOLZSYNAGOGEN IN POLEN 23 ten Ausdruck ,,Korban" ( Opfer, vgl. Mark. VII, 11-13) bezeichnet. Für die vorgeschriebenen Opfer galt jedenfalls der Tempel in Jerusalem nicht nur als der nationale Mittelpunkt, sondern auch als das allein legitime Heiligtum. Wie lange noch die illegalen, vom Mosaismus verworfenen Kultstätten, die Bamot, sich neben dem ausschließlich autorisierten Nationalheiligtum erhalten haben, kommt hierbei nicht in Krage. Ein sicheres Datum für die Veranstaltung regelmäßiger gemeinsamer Gebete liegt in dem talmudischen Berichte vor, der besagt, daß die diensttuenden Priester sich jeden Morgen zu einem im Tempelritual nicht vorgesehenen Gottesdienst versammelten (Tain. V, 1). Wir hören wohl bei Ezechiel von Zusammenkünften zu religiöser Beiehrung im Exil (Ez. XIV, 4, VIII, 1, XXXIII, 31). Bei der stark seelsorgcrisclien Einstellung des Propheten ist auch anzunehmen, daß er in der Entwicklung dieser Veranstaltungen eine bedeutende Bolle gespielt hat. Doch wissen wir nicht, ob nicht die Wallfahrten zum Propheten an Sabbaten und Neumonden (2. Reg. IV, 23) einen ähnlichen Charakter getragen haben, wie ja auch von Malcakhi (2, 7) als Aufgabe des Priesters Belehrung des Volkes bezeichnet wird. Ebensowenig ist den Quellen zu entnehmen, ob das Gemeindegebet mit zu ihrem Programm gehörte. Was die Psalmen (bes. 74) für unsere Krage an Material liefern, ist gleichfalls schwer zu bestimmen. In nachbiblischer Zeit verrichteten die Abordnungen, die im festgesetzten Zyklus von den Gemeinden zu ihrer Vertretung beim Tempeldienst nach Jerusalem entsendet wurden, dort zu den Opferzeiten regelmäßig Gebete, an die sich eine Vorlesung aus der Thora anschloß. Auch die daheim zurückgebliebenen Mitglieder des jeweils fungierenden Bezirkes vereinigten sich zur selben Zeit zu solchen Gottesdiensten (Taan. II.). Dies geschah wohl in der Regel an einem für diesen Zweck bestimmten Ort, wie ein solcher 1. Makk. III, 46 erwähnt wird, und ohne Ausschluß anderer Gemeindemitglieder. Auch daß diese Betstätte eine gewisse sakrale Würde besaß, ist wahrscheinlich. Die Vorliebe für jüdische Kultanlagen in der Nähe von Gewässern mit Rücksicht auf die rituellen Waschungen oder außerhalb des Ortes auf erhöhter Stelle scheint hierfür zu sprechen. Sicherer gehen wir jedenfalls in der Annahme, daß seit Esra sowohl in Jerusalem als auch in der Provinz und in der ganzen Diaspora als ständige Übung an gewissen Tagen vor der versammelten Gemeinde aus der Thora vorgelesen und das Schriftwort erklärt wurde. Da die Lehrvorträge regelmäßig stattfanden und nicht unter Unbilden des Wetters leiden durften, mußten wohl für sie gedeckte Räume vorge-