Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Holzsynagogen in Polen
- Date
- 1932-01-01
- Page
- 21 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HOLZSYNAGOGEN IN POLEN Herausgegeben von Alois Brey er, Max Eisler und Max Grunwald ie Geschichtsschreibung der jüdischen Kunst — das Wort in J_J seinem weitesten Sinne genommen — braucht heute vielleicht nichts so sehr wie planmäßige Quellenbereitung. Allzu lange hat uns jene schöne, aber auch ungeduldige Leidenschalt, die aus dem neu erstarkten Selbstgefühl unseres Volkes schöpfte, dazu verleitet, Formen - urteile zu treffen, Entwicklungsketten durchzuführen und Übersichten zu versuchen, bevor noch das Einzelne genügend bekannt geworden war. Heute, da dieser Zeitraum einer voreiligen Lexikographie zur Neige geht, wissen wir, daß wir neu und bescheiden beginnen müssen. Es gilt vorerst, das Material vollständig aufzubringen, in sauberen Wiedergaben festzuhalten und sachlich zu beschreiben. Erst wenn diese Beschreibung — die Aufgabe unserer Zeit, einer Zeit nicht mehr des übermäßigen Gefühls, sondern der pflichttreuen Besinnung — ganz und rechtschaffen geleistet ist, können wir an die Verarbeitung denken. Aus eben diesen Gründen erschien uns die vorliegende Schrift so sehr willkommen. Denn sie gewährt nicht nur Einblick in ein überaus wichtiges Kapitel volkstümlicher Kunst, sie hat auch den Charakter, der unserer Arbeit gegenwärtig nottut. Man wird ihn schon aus folgenden biographischen Feststellungen begreifen: Im Jahre 1910 war Alois Breyer, damals ein Schüler der Architektur, durch seinen Lehrer Ferstl auf die Holzsynagogen in Osteuropa hingewiesen worden. Das Thema entsprach einer stillen Neigung des jungen Mannes für che Malerei; denn die Synagogen waren ja hemalt und Isidor Kaufmann, der Freund Ferstls, hatte vor allem deshalb von ihnen erzählt. Glücklicherweise ist es dann aber die Dissertation eines Architekten geworden. Breyer ging nach Krakau und Lemberg, um sich für sein Unternehmen vorzubereiten und bereiste dann unter nicht geringen Mühen und allerhand Abenteuern — in Piotrikow hat man ihn wegen Spionageverdacht einige Tage eingesperrt — die Gegend, deren Synagogen er in seiner Arbeit darstellt: das heutige Polen. Hier hat er die Bauwerke außen und innen — mit dem Zeichenstift und der Kamera — aufgenommen. Aber auch die Erläuterungen, die er dazu verfaßt hat, sind Aufnahmen, Beschreibungen eines Architekten. Sie haben den reinen quellenkundlichen Charakter. Und ihre Objektivität wird noch verstärkt durch den Umstand, daß der Autor nicht Jude, also nur sachlich beteiligt ist.