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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Moslemkongress auf dem Tempelplatz
Date
1932-01-01
Page
Seite 15 (sequence 2)
Language
German
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DER MOSLEMKONCRESS AUF DEM TEMPELPLATZ 15 Jerusalem stattfindet und hier auch der Silz des Kalifats sein sollte, erweckte die Befürchtung, daß die Wahl von England beeinflußt und der Kalif unter englischer Kontrolle stehen würde, da sich Palästina faktisch unter der direkten Verwaltung des britischen Kolonialamis befindet. Ägypten, seit der Abschaffung des Kalifats das führende Land des Islam dank seiner fortgeschrittenen Entwicklung und der Kairoer Ashar-Universität, fürchtet seinen Vorrang zu verlieren, wenn der Kongreß einen Kalifen proklamiert. Um so mehr, als auf der Tagesordnung auch die Gründung einer mohammedanischen Universität in Jerusalem steint. Dies erweckte in den Kreisen dier Ashar den Argwohn, als ob hier ein Konkurrenzunternehmen gegen sie geschaffen werden soll. Die Türkei fürchtete von der Einsetzung Abdul Medjids eine Verstärkung der monarchistischen Propaganda und protestierte daher gegen das Projekt beim Londoner Foreign Office. Dieser veranlaßte darauf Schaukat Ali zu seinem Dementi, während Hadj Amin nur abschwächend erklärte, idier Kongreß werde das Kalifatsproblem nur theoretisch behandeln, das heißt prüfen, ob die Wiedererrichtung des Kalifats wünschenswert und möglich ist, ohne einen Kandidaten zu ernennen oder zu wählen. Als das Ägypten nicht beruhigte, fuhr Hadj Amin nach Kairo und veröffentlichte einen Brief an den Ministerpräsidenten Sidky Pascha, in dem er versprach, daß überhaupt jede Behandlung der Kalifatsfrage unterbleiben und die geplante Universität in Jerusalem nur für die Mohammedaner Palästinas bestimmt sein wird. Ob das Kalifat auch inoffiziell in Privalgesprächen zwischen den Teilnehmern nicht behandelt werdien wird, ist eine andere Sache. Die Tagesordnung beschränkt sich jetzt auf die Gründung einer lokalen Universität und den Schutz der heiligen Stätten des Islam. Damit bekam die Veranstaltung einen ganz anderen Charakter. Aber trotzdem besteht unter den Mohammedanern keine Einigkeit über seine Zweckmäßigkeit. In Palästina selbst ist die ganze Opposition gegen den Obersten Mohammedanischen Rat, oder besser, gegen seinen Vorsitzenden, unter Führung Scheikhs Assacl Seluikeirys aus Akka, einer prominenten religiösen Autorität, früher Mitglied des türkischen Senats, Fakhry Bey Naschaschibys und anderer bekannter Persönlichkeiten entschieden dagegen. Diese Opposition dürfte gut die Hälfte der Mohammedaner Palästinas erfassen. Jedenfalls ist sie sehr stark. Sie besteht teils aus modernen Kreisen, die meinen, die Zeiten für eine Theokratie sind vorbei, und fürchten, eine Wiedererweckung religiöser Separatismen könne die arabische Nationalbcwegung erschweren, die auf der Verwischung der religiösen Trennungslinien und dem Zusammenschluß von Mohammedanern und Christen beruht. Teils sind gerade orthodoxe Mohammedaner daran beteiligt, die die Kompetenz eines Kongresses bezweifeln, der nicht in einem vollkommen unabhängigen mohammedanischen Lande zusammentritt, und ebenso die Hadj Amins, weil sie seine religiösen Kenntnisse für ungenügend halten. Dazu kommen nicht zuletzt Gegensätze zwischen den verschiedenen Gruppen, die um die Macht, das heißt hauptsächlich um die Besetzung des Obersten mohammedanischen Rats und der Munizipalitäten ringen. Die Opposition glaubt, daß Hadj Amin den ganzen Kongreß nur veranstaltet hat, um sich als Schützer des Islam propagandistisch und materiell zu stärken. Der Oberste mohammedanische Rat ist augenblicklich finanziell in einer schweren Lage. Der Zweck der Universitiitsgrünidiung, die der Kongreß beschließen soll, ist daher nach Meinung der Opposition einfach, Hadj Amin einen Vorwand zum Geldsairaneln zu geben, damit er wieder flüssige Mittel in die Hand bekommt. Beide Parteien, Hadj Amin und die Opposition, bemühen sich, die übrigen mohammedanischen Länder, vor allem Ägypten, in ihrem Sinne zu bearbeiten. Unter diesen Umständen ist die praktische Wirkung des Kongresses und sein Einfluß auf die vierhundert Millionen Mohammedaner noch ungewiß. Jedenfalls hängt nun zum ersten Mal in der Geschichte diie Frage einer mohammedanischen Weltorganisation

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