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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. 14

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Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Moslemkongress auf dem Tempelplatz
Date
1932-01-01
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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DER MOSLEM KONGRESS AUF DEM TEMPELPLATZ Von Ernst Davis Der mohammedanische Weltkongreß, der am 7. Dezember in der Raudat el Maarif- Scliule auf dem Tempelplatz zu Jerusalem zusammentrat, ist der drille Versuch seit der Abschaffung des Kalifats durch die türkische Nationalversammlung, eine repräsentative Institution des ganzen Islams zur Entscheidung bestimmter Fragen zu bilden. Es gab bereits zwei andere panislamische Kongresse, beide im Jahre 1926, einen in Mekka und einen in Kairo, beide von verschiedenen Persönlichkeiten und zu verschiedenen Zwecken einberufen. Aber repräsentativ waren beide nur für bestimmte Teile des Islam. Den Mekkaer Kongreß hatte König Ihn Saud zusammengebracht, um seine Stellung gegen die heftige Propaganda, die nach der Eroberung -der Hedjas in einer Reihe von Ländlern gegen ihn geführt wurde, zu stärken. Die Tagesordnung war von ihm klugerweise auf Fragen des Hedjas, des heiligen Landes des Islam, beschränkt worden. Abgesehen von Abordnungen der türkischen, ägyptischen, afghanischen und jeminitischen Regierung wie der russischen Mohammedaner waren sämtliche Delegierten völlig unoffiziell. Persien zum Beispiel hatte in einer scharfen Note »die Beteiligung abgelehnt. Der Kairoer Kongreß war von den führenden religiösen Instanzen Ägyptens unter Vorsitz des Rektors der As-har-Universität, der ältesten und berühmtesten Hochschule -des Islams, zur Lösung der Kalifatsfrage einberufen. Es war der Einschlag (der Bombe, die der letzte Kalif des Oltomanenhauses, Abdul Medljid, gleich nach seiner Vertreibung aus der Türkei geworfen hatte, als er in einer Proklamation an die mohammedanische Welt die türkische Nationalversammlung wegen Überschreitung ihrer Machtbefugnisse für ungesetzlich erklärte und seine Absicht, einen mohammedanischen Weltkongreß einzuberufen, ankündigte. Aber die Bombe platzte nicht. Der Kairoer Kongreß kam nicht über die Feststellung hinaus, daß das Kalifat auch imler den heutigen Verhältnissen nötig ist und wieder errichte*! weixlien kann. Aber er wählte weder einen Kalifen, noch nannte er einen Kandidaten. Er war noch weniger repräsentativ als der Mekkaer Kongreß. Weder die Türkei, noch Persien, Afghanistan, der Nedjd, die führenden mohammedanischen Organisationen Indiens oder die russischen Mohammedaner waren vertreten. Die Delegierten waren von ihren Regierungen nicht beglaubigt und lebten zum allergrößten Teil schon längst nicht mehr in den Ländern, die sie vertreten sollten. Abgesehen von dem psychologischen Eindruck, den die Tatsache eines mohammedanischen Weltkongresses in den westlichen Ländern machte, hatten weder die Mekkaer, noch die Kairoer Veranstaltung irgend ein praktisches Ergebnis, Der jetzige Kongreß in Jerusalem, dessen hauptsächlicher Einberufer der Vorsitzende des Obersten Mohammedanischen Rats von Palästina — einer Einrichtung der Palästinaverwal tung und nicht etwa einer unabhängigen mohammedanischen Interessenvertretung — Hadj Amin el Husseini, Mufti von Jerusalem, ist, sollte die Kalifatsfrage wieder aufnehmen. Dies war insbesondere die Absicht des indischen Mohammedanerführers Schaukat Ali, des wichtigsten Förderers der Bewegung außerhalb Palästinas. Alle Dementis, die inzwischen erfolgt sind, sind nur diurch die Umstände erzwungen worden. Schaukat Ali hatte auf der Durchreise zur Ind.ienkonferenz in London seinen Freunden hier erklärt, daß er sich in Nizza mit dem Exkalifen Abdul Medjid treffen und ihm die KaLifatskandddatur anbieten will. Damit folgte er nur der alten Tradition der indischen Mohammedaner, die von jeher für das Kalifat der Osmanendynastie eintraten. Die Tatsache, daß der Kongreß in

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