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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-01-01
Page
Seite 10 (sequence 8)
Language
German
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10 ME N O RAH winzigen Geschäften, die hier — Gott weiß, warum — „grosseries" genannt werden, erhält man, was das Herz begehrt, von einem Stückchen guter Warschauer Wurst bis zu einem Tallis, von saueren Gurken an bis zu einer Mesusah. Alles ist koscher und hat den vertrauten Wohlgeschmack wie daheim. lieh meinte, in ein Judenstädtchen Polens geraten zu sein, als ich in der stillen Nacht durch die engen krummen Gäßchen ging, die vom Schnee bedeckt im Schein eines heimatlichen Mondes hell erglänzten. Wahrhaftig, der Mond leuchtet hier im Tal ganz anders, als wäre er gesegnet und geheiligt durch das Mondgebet, mit dem die Juden ihn begrüßen. Auch der Vollmond ist hier heller und reiner, er wird auch nicht von den elektrischen Bogenlampen der Kinos und Restaurants überstrahlt. Denn hier ist er das einzige Licht, das die Nacht erhellt. In den Wohnungen lebt man so, wie in der alten Heimat. Die gute jüdische Hausfrau aus Polen versteht das Sparen, vermag mit dem kargen Wochenlohn des Mannes so auszukommen, daß es im Hause an nichts fehlt. In den Küchen blitzt es von Sauberkeit — das ist Müttererbteil. Die jüdische Frau aus Polen ist aber nicht nur von Jugend auf eine tüchtige Hauswirtin, sondern sie legt auch all' ihre weibliche Grazie und Keuschheit in ihren Haushalt. Aus der Wohnung läßt sich der Charakter der Frau des Hauses erkennen — und die jüdische Frau aus Polen bringt all* ihr weiches weibliches Wesen in ihrer Kleidung und Wohnung zum Ausdruck. In jeder Wohnung fand ich hier den ,,Zierat" und die Spielereien aus der alten Heimat — Leuchter, Besteck, Töpfe und alte von der Großmutter ererbte Kupferpfannen, die ins Bettzeug eingenäht die Reise über den Ozean mitgemacht hatten. Auf den Betten und Tischen lagen die gestickten Überzüge und Deckchen, die das Mädchen noch in der Brautzeit anfertigt, wenn sie ihre Ausstattung sammelt. All' ihre Mädchenträume stickt sie in diese Stücke. Die schönen Polster und Deckchen liegen im Schrank verschlossen, aber in des Mädchens Herz verschlossen die Liebe, und beide warten auf den, der ihnen beschieden ist. Bis er kommt, erhält er die Deckchen aus dem Schrank und die Liebe aus dem Herzen . . . Der Jude aus Polen liebt gutes Essen und die Frau willfahrt seinem „trefenen Hals". In jeder Wohnung ist der Duft von Gänsefett und Grieben zu spüren. Die Frau bäckt dem Manne wochentags Barches, bereitet ihm sogar wochentags ,,süßen" Fisch und Klößchen in Fischsulze, daß er seine Freude habe, wenn er abends von der Arbeit heimkommt . .. Und unglaublich geschickt versteht die jüdische Frau aus Polen, all' diese guten Dinge von den wenigen Dollar Wochenlohn

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