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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-01-01
Page
Seite 9 (sequence 7)
Language
German
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QUER DURCH AMERIKA 9 sitzen! Er würde mit uns dick verdienen, z. B. durch den Versand von Jordanwasser in Flaschen für die Taufe, von 5-Pfund-Packeten Palästina-Erde u. dgl. In der Bibel steckt doch ein Bombengeschäft! Ein tüchtiger Manager kann daran Millionen verdienen! vJanz, ganz anders habe ich mir den „Vater der Flüsse" vorgestellt, der unweit des Golfs von Mexiko entspringt und einen halben Erdteil durchzieht, jenen Strom, in dem der Spanier Dessato, der ihn zum ersten Mal zu durchschwimmen wagte, sein Grab fand. Ich erwartete zwischen seinen wildwuchernden Uferbüschen noch die Spuren jener weltberühmten Expedition des Franzosen La Salas und seines Schiffes „Griffin" zu finden, das als erstes den Strom bereiste und in der Urwaldwildnis verschollen ist. So viel hatte man doch in den Knabenjahren davon gehört und so sehr die Helden beneidet, jene Abenteurer und Pioniere, die sich auf ihren Schilfen in unbekannte Fernen wagten, um neue Länder zu entdecken! Und der Knabe war fest entschlossen, wenn er erwachsen und ein Mann geworden sei, ebenfalls über den Ozean zu fahren und die Quellen des Mississippi zu erforschen. Und jetzt stehe ich an den Ufern des Stromes aller Ströme, mit dem meine Kinderpluintasien sich so oft beschäftigt haben! Sein schmutziges Wasser erinnert mich an die Weichsel, ebenso seine hohen sumpfigen Ufer. Bloß die Pfiaumengärten fehlen. Dafür aber liegt in einem Tal am Ufer des Mississippi, zwischen den Städten St. Paul und Minneapolis, ein kleines polnisch-jüdisches Städtchen, In keiner Stadt Amerikas sah ich so viele engere Landsleute wie dort: Männer und Frauen aus Lowitsch, Skierniewice, Schochlin und Kutno; mehrere mit mir verwandt; ja noch mehr — einige, von denen ich überzeugt war, daß sie nicht mehr auf Gottes Erdboden weilten, standen plötzlich hier im Tal vor meinen Augen von den Toten auf. Sie waren Teilnehmer einer ,,Expedition", die man nach Galveston gesendet hatte, und von dort waren sie in diese Gegend gebracht worden. Es mag sein, daß die Juden aus Furcht, zu sehr aufzufallen, sich so gern in Tälern verstecken. Auch diese Einwanderer wählten für ihre Ansiedlung ein Tal in der Nähe von St. Paul und hier ließen sie ein richtiges polnisch-jüdisches Städtchen erstehen. Sie übernahmen den Stil ihrer Häuschen mit den Baikonen, die über die ganze Front laufen, den Fensterläden, die bei Nacht geschlossen werden, und den kleinen Kramladen, in denen es noch Petroleumbeleuchtung gibt. In diesen IV. Ein Judenstädtchen am Ufer des J^ississifcfii

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