Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
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8 MENORAH „Jericho'*. Alle biblischen Ortsnamen sind vertreten. Doch das Wunderbarste im „Hause Davids" ist — das Paradies. Über dem Tor eines großen Gartens steht in Goldbuchstaben: „Paradies, Eintritt 25 Cents." Es interessierte mich zu sehen, wie die Amerikaner sich das Paradies vorstellen. Der Charakter eines Volkes läßt sich aus seiner Vorstellung vom Paradies erkennen. Die Juden sehen sich im Paradies auf goldenen Stühlen thronen, neben ihnen ihre Frauen auf Schemeln; sie erfahren die Geheimnisse der Thora und werden vom Licht der Gottesherrlichkeit umstrahlt. Im Dirnenviertel von Kairo sah ich das Paradies der Muselmanen: nackte Negermädchen tanzten den berühmten Bauchtanz. Die Perser stellen sich ein Paradies vor, in dem die Seelen der Menschen in den Körper schöner Tiere, wie Hirsche und Gazellen wohnen und einander lieben, wie es in der persischen Dichtung besungen, auf persischen Miniaturbildern dargestellt und in kostbaren Teppichen gewebt ist. Wie aber stellt sich der Amerikaner das Paradies vor? Amerikas Paradies befindet sich in nächster Nähe einer Großstadt. Ob dies der Prophet Benjamin w7ohl durchdacht hat, um mehr Seelen ins Paradies zu bringen, oder ob es bloßer Zufall ist, weiß ich nicht. Tatsache ist, daß im Sommer das „Haus Davids" sehr viele Besucher aus Chicago und der ganzen Umgebung hat. Für sie hat auch der Prophet das Paradies errichtet. Ich zahlte meinen Vierteldollar und gelangte als Lebender ins Paradies. Das erste, was ich im amerikanischen Paradies sah, war ein Karussel mit Holzpferdchen. Für ein Zehncentstück kann man eine Fahrt im Flugzeug machen und wer noch mehr „Emotion" haben will, macht die aufregende Tour mit der Berg- und Talbahn mit, die in jähem Auf und Ab sogar durch Wasser und Tunnels fährt. Mit einem Wort — ein kleines Coney Island. Es heißt, daß das „Paradies" den „Bnei Israel", die zu den verlorenen zehn Stämmen gehören, viele Tausende von Dollar einbringt und daß das „Haus Davids" eine der einträglichsten Unternehmungen im Staate Illinois ist. Denn was Coney Island für New York ist, das ist das „Paradies" und das „Haus Davids" für Chicago. Als ich mit eigenen Augen sah, wie gute Geschäfte die Kinder Israels machen, die zu den verlorenen zehn Stämmen gehören, sagte ich mir: Was für schlechte Geschäftsleute sind doch wir, die Kinder Israels aus dem Stamme Juda! Wir müßten einen Manager haben, wie ihn die verlorenen zehn Stämme in dem Propheten Benjamin be-