Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Ahasver in Asien
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 537 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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AI I AS VE R IN ASIEN 537 In Bagdad bilden ihre Häuser einen eigenen mächtigen Stadtteil. Er hat seine eigene lange, dicht belebte Basarstraße mit den Läden der jüdischen Händler und Krämer. Unbedeckt, mit ihrem Abfall, den vielen Körben, der Gemüseverküufer, ihrem unsagbaren Schmutz liegt sie schul/los der Sonne preisgegeben. Denn die Mehrzahl ihrer Bewohner ist trotz alles Fleißes arm. Ihre Gesichter, ihre Kleider zeigen überall die Spuren des Leidens und der Entbehrungen. Das Volk drängt sich durch die Straße, wilde Schreie ertönen. Der Skmb legt sich auf die Füße, und wenn die Wassersprilzer ihre gefüllten Lederschläuche über den Boden ausschütten, löst sich die ungeflaslerle Erde in Schlamm auf. Esel mit Körben voll Früchten, voll Steinen und Bauschult drängen sich durch die Menge oder sind mit den Leibern frisch geschlachteter Hammel beladen, deren Blut über den Kücken der Tiere herabläuft und um das die zahllosen Fliegen schwärmen. Nur wenige Bagdader Juden brachten es zu Anseilen und Keichtum. Drauüen auf ihrem Friedhof, der gleich hinler dem (ihetlo beginn! und sich bis weit in die Wüste erstreckt, mit seineu schmucklosen Lehmhügeln, eine noch traurigere Stadl als die der Lebenden, findet man hinter einem vergitterten Tor das Grabmal Sassuns. Sein Name ist über die ganze Judenheit der Welt bekannt. Tu Bagdad als Sohn einer armen Familie geboren, wanderte er nach Amerika aus. gelangte zu einem beispiellosen Beichtum und beschenkte die armen Juden seiner Vaterstadl mit zahlreichen Schulen, Kinderheimen und wohltätigen Stiftungen. Hier in Bagdad, wo der Jude arabisch spricht und das Arabische nur mit hebräischen Schriftzeichen schreibt, bei seinem auffallenden Unterschied zu den westlichen Stammesbrüdern, empfindet man besonders, wie stark über alle Entfernungen der Zeit und der Länder hinweg sich der Zusammenhang unter den Juden erhielt. So gute Geschäftsleute sie sein mögen und auf ihren Vorteil bedacht, so gastfreundlich, ja hilfreich und aufopfernd zeigen sie sich stets auch gegen den Fremden, wenn sie fühlen, daß in seiner Brust ein Herz schlägt, das an ihrem Schicksal teilnimmt. Die Läden in den Häusern sind durch schmale viereckige Holzdächer gegen die Sonne geschützt, die nicht breiter als ein Augenlid den offenen Baum überschatten. Andere Händler hocken mit ihren Körber voll Brot oder Süßigkeiten mitten auf der Straße. Chaldäer und Syrer. Araber und Armenier. Perser, ja selbst vereinzelt Sudanesen drängen noch immer auf dieser Judengasse vorüber. Nur etwas ist seit dem Kriege auch hier verschwunden, die Geslal-