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Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 536

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Ahasver in Asien
Date
1931-11-01
Page
Seite 536 (sequence 3)
Language
German
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53G MENORAH Die Bevölkerung Bagdads wird auf zweihundertdreißigtausend Einwohner geschätzt, darunter sechzig- bis achtziglausend Juden. Ihre Zahl ist größer als in allen anderen orientalischen Städten. Sie besitzen fünfzig Synagogen in Bagdad und beherrschen neun Zehntel seines Handels. Fast alle zeichnen sich durch ihre schönen, hochgewachsenen Gestalten, die gebräunte Gesichtsfarbe, die stolze Haltung aus, und die Jüngeren unter ihnen sind nur schwer für den Fremden von den städtischen Arabern zu unterscheiden. Erst bei den Gesichtern der Alteren mit ihren schönen weißen Bärlen, der klugen Stirn, der stark gewölbten Nase1 treten die ausgeprägten Züge ihrer Basse hervor. Diese.luden sind nicht erst in späteren Jahrhunderten nach Bagdad eingewandert; sie sind seit zwei und einem halben Jahrtausend in Mesopotamien zu Hause; es sind Nachkömmlinge aus der Zeit ihrer bahyion i sehen Gefangenschaft. Zu Beginn des fünften Jahrhunderts vor Christi geriet das Beich Judas in Verfall und wurde zur Beute des ägyptischen Königs. Aber Pharao Nescho wurde im Jahre 605 selber von Nebukadnezar geschlagen, und die .luden wurden in die babylonische Gefangenschaft geführt. Jeremias rief den Davongeschleppten nach: ,Jn das Land Zion, wohin sie von Herzen gern gehen würden, sollen sie nicht wieder hinkommen!" Wandert man heule bei Babylon an den blühenden Palmenufern, an den grünen Sträuchern vorüber, deren Wurzeln im Sumpfwasser stehen, so erinnert man sich wieder der Worte des Psalmisten: Unsere Harfen hingen wir an die Weiden, die daselbst sind; denn dort hießen uns sitzen, die uns gefangen hielten, und in unserem Heulen fröhlich sein: ,Singt uns ein Lied von Zion!' Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremden Landen? . . Siebenzig Jahre später ging die Gefangenschaft zu Ende. Nach der Eroberung von Babylon durch Gyrus von Persien wurden die Juden in ihre Heimat zurückgesandt. Gyrus befahl ihnen, für das Haus ihres Gottes die Gefäße mitzunehmen, die Nebukadnezar aus der heiligen Stadt entführt hatte. In zerstreuten Haufen machten sie sich auf den Weg. Aber das Wort ihres Propheten halte sich an ihnen bewahrheitet; nicht alle kehrten zurück. Viele folgten dem Zuge des Darius nach Persien hinauf. Überall an der Straße ihres Schicksals von Teheran bis nach Bagdad, von Mossul über Aleppo bis nach Damaskus findet man ihre Nachkommen aus jener Zeit.

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