Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 521 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 521 Mutier, die inzwischen verstorbene Dona Gracia, so verwendete auch die Herzogin ihr Vermögen zur Unterstützung der jüdischen Wissenschaft, doch brachte die Druckerei, die sie in ihrer Residenz Relveder und spater in einem Dorfe in der Nähe von Constaiitinopel unterhielt, nur Werke bedeutungslosen InhaLts hervor. Je mehr Einzelheiten aus dem Leben des Joseph Nassi bekannt werden, um so klarer wird uns, daß dieser Mann des 16. Jahrhunderts jenen modernen Geldverdienern, die Geschäft und Politik verquicken, würdig zur Seile gestellt werden kann. Für das Judentum hat der Herzog nichts geleistet, er war ein wenig würdiger Glaubensgenosse. Sein anmaßendes Wesen duldete nicht den geringsten Widerspruch. Die Rabbiner, die von ihm unterstützt wurden, hatten sich jedem Wunsche zu fügen, taten sie es nicht, so wurden die Subsidion entzogen. Herrisch und hochfahrend war sein Benehmen in der Aiikoua-Angelegenheit, in der er seinen Wünschen entsprechende Dekrete verlangte, später läßt er Daout exkomniunicieren, mit unerhörter Dreistigkeit fordert er, als es ihm in den Kram paßt, daß die Rabbiner die Exconi municierung rückgängig machen. Seinen von der Inquisition bedrohten Glaubensgenossen in Mitteleuropa kam er in keiner Weise zu Hilfe. Zwar ließ er sich Tiberias schenken, aber nachdem er den Plan, dort jüdische Flüchtlinge anzusiedeln wenige Jahre verfolgt hatte, gab er ihn auf, dieser kleine Besitz genügte ihm nicht. Als 1569 Juden aus Pesaro auf der Überfahrt nach Tiberias von Seeräubern gefangen genommen wurden und sich liilfeilchend an Joseph wendeten, würdigle er sie keiner Antwort. Nachdem er Herzog von Naxos geworden war, machte er überhaupt keine Anstrengungen, die Insel mit Juden zu bevölkern; zwar wurde behauptet, daß er aus Cypern einen jüdischen Staat machen wolle, aber seine Pläne gingen nicht in Erfüllung, ihn lockten wohl hauptsächlich die Schätze dieser Insel, dem eitlen Manne genügte auch nicht mehr der Herzogstilel, er wollte König werden. Joseph gründete bald nach seiner Ankunft in Constantinopel in seinem Palast eine jüdische Druckerei und gab einige religiöse Werke und einen Teil der Bibel heraus. Aber es handelte sich um ein ausschließlich geschäftliches Unternehmen, die Druckerei wurde nach wenigen Jahren wegen mangelnder Einnahmen geschlossen. Als Joseph Karo, das Haupt des Rabbinats von Safed, der Joseph viele Dienste erwiesen hatte, den Herzog bat, die Druckkosten einer seiner Arbeiten zu übernehmen, gab Joseph nicht einen Dukaten. Kurze Zeit vor seinem Tode erschien ein kleines Werkchen, das