Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 520 (sequence 21)
- Language
- German
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520 MENORAH europäischen Mächten denkbar schlecht aufgenommen werden würde. Und um Josephs jegliches Interesse an Gypern zu nehmen, ließ der Großvesir sich die Einnahmen aus den Inseln zuteilen. Später wurden sie zum Unterhalt des Serails verwendet. Genau so wie s. Zt. bei den Intrigen gegen Ankona, so war Joseph auch diesmal nur auf seinen persönlichen Vorteil bedacht, nur von der Sucht getrieben, Venedig zu demütigen, das Schicksal seiner Glaubensgenossen war ihm gleichgültig. Daß die Signoria alle jüdischen Kaufleute, die sich in Venedig befanden, eingekerkert, ihre Waren beschlagnahmt hatte, ließ ihn völlig kalt. Bei Nassi konnten sich die venetianischen Juden dafür bedanken, daß sie Anfang 1571 ausgewiesen werden sollten. Ein anderer Jude, nicht der erbärmliche Herzog, bewahrte sie vor diesem Schicksal. Salomo Aschkenasi, der in der türkischen Diplomatie eine fast ebenso große Rolle spielte wie Joseph, ihn später sogar verdrängte, spann in Constantinopel die ersten Fäden zum Frieden und intervenierte bei dem venetianischen Gesandten zu Gunsten seiner Glaubensgenossen. Aschkenasi wurde auch später, als Josephs Krieg mit Venedig durch officiellen Frieden liquidiert werden sollte, als Gesandter nach Venedig geschickt. Die Signoria war von dem jüdischen Gesandten zwar wenig erbaut, und sträubte sich ihm die vorgeschriebenen Ehren zu erweisen, da aber der türkische Hof in diesem Punkte sehr empfindlich war, so mußten sich die edlen und erlauchten venetianischen Herren wohl oder übel dazu verstehen, das für den Empfang eines ausländischen Gesandten vorgesehene Ceremoniell bei der Ankunft des Rabbi Salomo Ben Nathan Aschkenasi gleichfalls mit peinlichster Genauigkeit zur Anwendung zu bringen. Bald nach dem cyprischen Krieg, beim Tode Sultan Selims IL, im Jahre 1574, nahm Josephs Macht ein Ende. Der neue Sultan Murad III. ließ zwar dem Herzog Titel, Rang und Würden, aber sein Einfluß auf den Divan schwand, er wurde von seinem Rivalen Aschkenasi abgelöst, der nunmehr völlig die Gunst des Hofes gewann. Joseph überlebte nicht lange seinen Sturz, er starb kinderlos an einem Steinleiden am 2. August 1579. Unmittelbar nach seinem Tode ließ der Sultan Josephs gesamten Besitz beschlagnahmen, da der Herzog große Schulden an die kaiserliche Schatulle hatte. Auch der französische Gesandte versuchte in Erinnerung an Alexandrien von der Erbschaft zu profitieren, aber der Sultan gab von seinem Raube auch nicht einen Dukaten heraus. Lediglich Josephs Witwe, der Herzogin Reyna, wurde die eingebrachte Mitgift ausbezahlt. Wie einst ihre