Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 513 (sequence 14)
- Language
- German
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 513 ihm diese Liste einzusenden, wohl damit Joseph die Steuer eingangs kontrollieren könne. Doch Steuern können nur gezahlt werden, wenn Handel und Wandel blüht. Aber Seeräuber verpesteten die Gycladen, und so erhielt der Flottenchef Piale Pascha den Befehl, die Inseln von den Korsaren zu säubern, obgleich er sicherlich wichtigeres zu tun hatte, als sich um die Steuern der Naxioten zu kümmern. Die Kadis von Rumelien und Anatolien mußten auf einen ehemaligen Gouverneur von Naxos Jagd machen, der gemeinsam mit dem Papst und Venedig gegen Joseph intrigierte, um auf Naxos Unruhen hervorzurufen. Nassi schätzte es auch nicht, daß sich Mohamedaner auf seinen Inseln niederließen, da bei Streitigkeiten zu befürchten war, daß der dem Herzog mißgünstige Großvesir Mohamed Sokolli zu Gunsten der Moslims gegen den jüdischen Landesvater Partei ergreifen würde. Der stets hüfsbereite Sultan ordnete durch Firman die Ausweisung der Mohamedaner aus den Cycladen an. Doch all die mehr oder minder großen Regierungssorgen konnten den Herzog nicht vergessen lassen, daß seine Schatullverwaltung eine bedeutende Summe in Frankreich ausstehen hatte. Als Carl IX. sich nach wie vor beharrlich weigerte, die von seinen Vorgängern kontrahierte Schuld zu begleichen, beschloß Joseph sich auf dem Wege von Repressalien bezahlt zu machen. Er erwirkte einen Firman, der ihm gestattete, alle unter französischer Flagge segelnden Schiffe in den türkischen Häfen zu beschlagnahmen. Joseph gelang es, eine Reihe französischer Fahrzeuge in Alexandrien zu sequestrieren (1568). Die Zolleinnahmen von Alexandrien waren damals verpachtet, mit den Pächtern wurde vereinbart, daß sie ein Drittel der unter französischer Flagge ankommenden Waren verkaufen und den Erlös an den Herzog abführen würden. Diese unerhörte Beleidigung der französischen Flagge durch den jüdischen Günstling erregte höchste Empörung, besonders da von der Maßnahme auch nichtfranzösische Kaufleute betroffen waren, die ihre Waren auf französischen SchifTen verladen hatten. Diese Waren wurden Anfang 1569 wieder freigegeben, zumal auch die Geschäftswelt Alexandriens sich beklagte, daß ein derartiges Vorgehen dem Ansehen des seit unendlichen Zeiten allen Nationen offenstehenden Hafens schade. Als der Pascha von Cairo sich gegen klingende Münze der Klagen der Händler Alexandriens annahm und darüber nach Gonstantinopel berichtete, versuchte Nassi sich an dem Pascha für die entgangenen Summen schadlos zu halten.