Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 514 (sequence 15)
- Language
- German
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514 MENORAH Joseph jagte an der ganzen nordafrikanischen Küste hinter den französischen Kauffahrern her und dehnte seine Sequestrierungen bis nach Algier aus. Im September 1569 kam dann ein Vertrag zustande, der den Beschlagnahmungen ein Ende setzte, doch ein großer Teil der Waren war bereits verkauft und das Geld in die Taschen der zahlreichen Gläubiger des Herzogs gewandert, der mit der Begleichung seiner Schulden ebenso wenig Eile hatte wie Frankreich, das wieder neue Schliche fand, um sich der Zahlung zu entziehen. Joseph erwirkte daher bereits einen Monat nach dem Vergleich abermals einen Firman, mit dessen Hilfe er im syrischen Tripolis französische Schilfe festlegte. Dieser neue Triumph des Herzogs veranlaßte den französischen Gesandten de Grandchamp seinen Eifer zu verdoppeln, um Nassi eine Grube zu bereiten. Er fand einen Helfer in dem Arzt Daout, der uns schon unter dem Namen Moses Hamon bekannt ist, des Sultans und Josephs Hofmedikus, der Nassi auch als Vertrauensmann in geschäftlichen Angelegenheiten diente6). Daout war ein zweifelhafter Ehrenmann, jahrelang hatte er an den Geschäften des Herzogs teilgenommen, da es aber zu Differenzen gekommen war, bot der Doktor wutentbrannt dem französischen Gesandten an, ihm alle Schliche des herzoglichen Kompagnons preiszugeben. Als der Gesandte dem Arzt eine Belohnung von 10.000 Thalern und außerdem ein Jahresgehalt von 1200 Thalern versprach, packte Daout seine Weisheiten aus. Er berichtete, daß Josephs ganze Schuldbeweise in ein paar Wechseln des französischen Königs beständen, die Joseph s. Zt., als er Bankier in Lyon war, bei spanischen Kaufleuten gestohlen und bedarf gemäß verbessert habe. Dem Sultan habe er dagegen vorgeredet, daß die Schuld des Hofes aus dem Verkauf von Dörfern, Schlössern usw. herrühre, die er, der Herzog von Naxos, in Frankreich besessen habe. Außerdem habe Nassi den Dolmetscher der Pforte bestochen, damit er die zwischen dem Sultan und dem König geführte Korrespondenz fälsche. Der Arzt verspricht, einen geheimen Fonds Josephs in Höhe von 200.000 Dukaten ausiindig zu machen, aus dem der französische König sich für den in Alexandrien erlittenen Schaden mit Zins und Zinseszins bezahlt machen könne. Zum Schluß schwört Daout, den Herzog an den Galgen zu bringen für tausend Gemeinheiten und vor allem, weil er den Sultan verrate, da er täglich mit allen Feinden der Pforte korrespondiere, wie der Inhalt der herzoglichen Schreibtischschublade bewiese. Der glückstrahlende Gesandte sah bereits Josephs Haupt rollen, er schlägt Carl IX. vor, einen „alten Hoftrottel" als Bevollmächtigten nach Constantinopel zu schicken — der Trottel müsse aber einen