Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 511 (sequence 12)
- Language
- German
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 511 Weinhandel in der Türkei zu profitieren, pachtete Nassi die Zolleinnahmen aus dem Weinimport, ein Geschäft, das ihm alljährlich 13.000 Dukaten einbrachte. Doch Joseph wußte, daß es kein besseres Geschäft gäbe als seinen Einfluß bei Hof in klingende Münze umzusetzen. Die beiden mächtigsten Männer der Türkei wurden von Juden beeinflußt, der Sultan von Nassi, der Großvesir von dem Rabbiner Salomon Aschkenasi. Die christlichen Mächte mußten sich der jüdischen Vermittler bedienen, aber die Vermittler zögerten nicht, aus ihrer Tätigkeit Kapital zu schlagen. In den Streitigkeiten um den Thron Moldaviens spielte Joseph eine ebenso ausschlaggebende wie dunkle Rolle. Alexander Lupusneanu, der Beherrscher Moldaviens, war von dem ehrgeizigen Abenteurer Jean Basilicos vertrieben worden, der sich den pomphaften Titel Marquis von Paros und Naxos zugelegt hatte. Lupusneanu wandte sich hilfesuchend an die Pforte, die aber den Gesandten des Basilicos Gehör schenkte, da sie 40.000 Dukaten versprachen, falls ihr Herr mit Moldavien belehnt würde. Doch der abenteuernde Prätendent machte sich hei seinen zukünftigen Landeskindern durch die wahnsinnigsten Excesse derart unbeliebt, daß die Pforte gegen ihn Partei ergreifen mußte, zumal der vertriebene Lupusneanu gerade gut bei Kasse war. Er mußte seinen Geldschränken 200.000 Dukaten entnehmen, von denen 50.000 Selim und 10.000 Joseph Nassi erhielten, Basilicos wurde ermordet, und der Weg auf Moldaviens Thron stand Lupusneanu wieder oifen. Als die Türken immer weiter nach Ungarn eindrangen, versuchte der Kaiser Maximilian IL nach dem Fall von Szigeth Frieden zu schließen. Er schickte 1567 den Erzbischof Anton Verancics als Gesandten nach Constantinopel, mit der Instruktion sich durch Geschenke der wohlwollenden Vermittelung Josephs zu versichern. Aber während der zurückhaltende Erzbischof noch überlegte, auf welch diskrete Weise er sich dieses heiklen Auftrages entledigen könne, hatte Joseph bereits das Geschäft gewittert und ging straks auf sein Ziel los. Da er aber unannehmbare Friedensbedingungen vorschlug, wurde er von den weiteren Verhandlungen ausgeschlossen, die im Februar 1568 mit dem Friedensvertrag endeten. Die Geschenke entgingen Nassi, was nicht für die diplomatische Gewandtheit des Erzbischofs spricht, denn es bestand damals die Möglichkeit, daß Joseph als türkischer Gesandter nach Wien käme. Joseph erwies sich als sehr viel geschickter, um die Beziehungen aufrecht zu erhalten, lieh er dem in Geldverlegenheit befind-