Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 508

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
Date
1931-11-01
Page
Seite 508 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927517--10825-2927645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

508 MENORAH Nassi erhielt bald neue Gnadenbeweise des türkischen Herrscherhauses. Schon als er in Venedig lebte, hatte er die Signoria ersucht, ihm eine der Inseln zu überlassen, um dort Juden anzusiedeln. Das Gesuch wurde abgeschlagen, der venetianische Handel fürchtete wohl die jüdische Konkurrenz. In Constantinopel nahm Joseph den Plan der Gründung eines kleinen Judenstaates wieder auf, er erhielt vom Sultan die Trümmer der Stadt Tiberias nebst sieben kleinen Ortschaften auf dem Wege nach Safed geschenkt. Als aber die Aufbauarbeiten im besten Gange waren, hetzte ein alter Scherif die Bevölkerung auf, sie solle den Bau nicht zulassen, denn wenn Tiberias aus den Trümmern neu entstehe, würde das Judentum alle anderen Religionen überflügeln und der Islam untergehen. Die Verkündung fand Gehör, die Arbeiter wollten den Bau einstellen, erst die Hinrichtung der Rädelsführer brachte sie zur Vernunft. 1565 war die Stadt vollendet, Nassi gab sich eine Zeit lang Mühe, aus ihr ein industrielles Centrum zu machen, er pflanzte Maulbeerbäume an, er ließ Wolle aus Spanien kommen, um Stoffe nach venetianischer Art zu weben, er versuchte die handwerklich geschickten italienischen Juden zur Einwanderung zu veranlassen, aber sein Interesse für Tiberias ließ bald nach. Constantinopel war das Centrum aller Geschäfte und Intrigen, nur dort konnte sein ehrgeiziger und abenteuerlicher Sinn sich voll entfalten. Vielleicht hatte der Bau von Tiberias auch seine financiellen Mittel zu sehr angegriffen, jedenfalls nahm der ihm von der Constantinopler Diplomatie untergeschobene Plan, auf dem Wege über Tiberias König der Juden werden zu wollen, ein baldiges Ende. Seine Geldbedrängnis veranlaßte ihn, mit aller Gewalt die alte Schuld des französischen Hofes von 150.000 Dukaten einzutreiben. In dem erbitterten Kampf, der sich um diesen Betrag entspann, mußte Joseph alle Minen am türkischen Hofe springen lassen, um die Winkelzüge des französischen Vertreters zu durchkreuzen. 1562 setzte er es durch, daß der Sultan einen Bevollmächtigten nach Frankreich schickte, mit dem Auftrag die Angelegenheit unter Umgehung des ständigen türkischen Gesandten zu regeln. Doch trotz eines vom französischen Vertreter in Constantinopel ausgestellten Geleitbriefes verweigerte der französische Gesandte in Venedig dem dort durchreisenden Beauftragten die erforderlichen Pässe. Diese offensichtliche Böswilligkeit -erweckte bei der Pforte derartige Verstimmung, daß der Hof von Fontainebleau einen Gesandten in der Person des Vincent Justiniani nach Constantinopel schicken mußte, zwar nicht um zu zahlen, aber wenigstens wegen der Verzögerung um Entschuldigung zu bitten. Auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.