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Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 507

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
Date
1931-11-01
Page
Seite 507 (sequence 8)
Language
German
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 507 Trotz des Kampfes mit dem Papst hatte Joseph Zeit gefunden, seine Interessen in Constantinopel zu pflegen. Er mußte Vorsorgen, denn sein hoher Gönner, der Sultan Soliman, war bereits ein betagter Herr, es kam darauf an, sich auch mit dem mutmaßlichen Thronfolger gut zu stellen. Wer aber würde den Thron besteigen? Auch bei der Lösung dieser komplicierten Frage gelang es Joseph die richtige Partei zu ergreifen. Zwischen zwei Söhnen des Sultans war die Wahl, zwischen dem älteren, Selim, einem ungeschliffenen Kerl, den nur Wein und Weib begeisterten, den die Armee haßte, und Bejazet, einem schönen und liebenswürdigen Manne, dem Abgott der Soldaten. Der Sultan wollte dem jüngeren den Thron sichern, aber die Mutter Selims verleitete Bejazet zu unbesonnenen Handlungen gegen seinen Vater, so daß er nach Persien fliehen mußte. Selims Thronfolge schien gesichert, aber noch wagten die Höflinge nicht, offen für ihn Partei zu nehmen, solange Bejazet am Leben war, konnte sich das Glück noch zu seinen Gunsten wenden. Nur Joseph Nassi ging eine Spekulation ein, die sich in der Zukunft als richtig erwies. Er stellte sich als einziger auf Selims Seite, wohl in der Hoffnung, daß diese Parteinahme später Zinsen bringen würde. Andererseits leistete er den schlechten Instinkten des Prinzen Vorschub, um ihn unter seinen Einfluß zu bringen. Schon als Selim Gouverneur von Magnesia war, hatte Joseph es erreicht, zum Hofjuwelier des Prinzen ernannt zu werden. Unter dem Schutze dieses Titels lieferte Nassi große Schmuckkästen, doch anstatt sie mit Juwelen zu füllen, legte er Flaschen des vom Prinzen viel begehrten Weins hinein. Joseph kannte wie kein zweiter die Intrigen des Constantinopler Hofes, der Juwelier wurde der vertraute Ratgeber Selims und diente als Mittelsmann zwischen dem Sultan und dem Thronfolger. Und als Joseph im Auftrage des Sultans dem Thronfolger eine große Summe Geldes nach Kutaia brachte, wurde er der erklärte Busenfreund des Prinzen. Im Anschluß an diese Reise wurde Nassi zum Muteferik (Hofherrn) ernannt, ein Titel, mit dem ein hohes Jahresgehalt verbunden war und den Joseph auf allen officiellen Dokumenten neben dem früher verliehenen „europäischen Prinzen" führte. Für seinen Bruder Samuel erwirkte Nassi gleichfalls eine jährliche Rente. Während seines Aufenthaltes in Kutaia am Lager des Prinzen vollbrachte Joseph sein Werk. Prächtige Geschenke, Darlehen, die nie zurückgezahlt wurden, die Produkte der herrlichsten Weinberge, die Joseph auf Sicilien, auf Chios und Gypern gehörten, taten das ihre. Es wurde ein Pakt geschlossen, der lebenslänglich dauerte.

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