Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 506 (sequence 7)
- Language
- German
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506 ME NORAH nach, allmählich folgten auch andere Gemeinden. Aber der Niedergang Ankonas erfüllte mit Besorgnis die alteingesessenen Juden, die nicht Marranen waren und daher unter den Verfolgungen Pauls IV. nicht zu leiden hatten. In der Befürchtung, der Papst könne sich an ihnen für die entgangenen Einnahmen rächen, baten sie ihre türkischen Glaubensgenossen keinen bindenden Entschluß zu fassen, um sie nicht der Wut der Curie auszuliefern. Es gelang ihnen auch, einige türkische Gemeinden von der Berechtigung ihrer Furcht zu überzeugen, und da andererseits die Sicherheit des Hafens von Pesaro zu wünschen übrig ließ, bedurfte die Angelegenheit reiflicher Überlegung und Berücksichtigung aller Interessen. Alles hing davon ab, wie sich Gracia und Joseph Nassi, die einflußreichsten Juden Constantinopels, entschieden. Diese beiden halten aber nichts anderes im Sinn, als den Papst zu züchtigen, das an den Marranen Ankonas begangene Verbrechen zu rächen. Sie beauftragten daher ihre Agenten, alle Waren nach Pesaro zu schicken, und, um die übrigen jüdischen Kaufleute zu gleichem Vorgehen zu bewegen, versuchten sie, die Rabbiner zu veranlassen, allen denjenigen levantinischen Juden den Bannfluch anzudrohen, die ihre Schilfe noch fernerhin Ankona anlaufen lassen würden. Einige von den Nassi's financiell unterstützte Rabbiner erließen prompt dem Wunsch ihrer Auftraggeber gemäß ein Dekret, durch da» jeglicher Handel mit Ankona verboten wurde. Aber es gab auch eine Opposition, die sich den Befürchtungen der Juden Ankonas nicht verschloß und die Angelegenheit durch den allverehrten Rabbiner von Padua, Meir Katzenellenbogen, entschieden zu sehen wünschte. Der Rabbiner der Aschkenasi lehnte es sogar rundweg ab, in seiner Synagoge das gegen Ankona gerichtete Dekret zu verlesen. Dieser Widerstand erboste Joseph derart, daß er die dem Rabbiner bisher gezahlte Unterstützung entzog. Gracia und Joseph wandten sich nunmehr an Joseph Caro und Moses Mitrani, den Rabbinern der Jechiba von Safed, um von ihnen den ersehnten und in Anbetracht der Autorität dieser beiden Rabbiner besonders wirkungsvollen Erlaß zu erwirken. Aber da auch diese sich weigerten, dem Wunsche der despotischen Wohltäter nachzukommen, fiel der Nassi'sehe Feldzug gegen den Papst ins Wasser. Joseph hielt es für geraten, seinen Bruder Samuel der Vorsicht halber aus Ferrara abzuberufen, da auch dort ein judenfeindlicher Wind zu wehen anfing. Der gesamte Anhang der Nassis verschwand gleichfalls aus Italien, auch der getreue Abraham Usque, der Herausgeber der Gracia gewidmeten Bibel, stellte 1558 seine Druckerei in Ferrara ein.