Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 505 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927517--10822-2927642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 505 abenteuerlichen und ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, in die politischen Fäden einzugreifen und sich jedes Mittels zu bedienen, um sein Vermögen zu vergrößern. Geschickt und skrupellos, mit einer selbst in der Türkei ungekannten Großzügigkeit, verteilte er sein Gold unter die unersättlichen Höflinge und ließ den einflußreichen Frauen des Serails kostbare Geschmeide überreichen. Da der jüdische Bankier außerdem alle unterirdischen Machinationen der europäischen Kabinette kannte, und seine über ganz Europa verteilten Agenten ihn stets über jeden wichtigen Vorgang auf dem laufenden hielten, wurde er bald dem Sultan Soliman ein willkommener Ratgeber. Der Sultan kargte auch nicht mit Beweisen seiner Gnade und verlieh dem portugiesischen Mammen den Titel europäischer Prinz (Frenk bey oglou). W ährend Joseph Nassi in Constantinopel ein friedliches Leben führte, litten die Juden Westeuropas unten den Verfolgungen der christlichen Regierungen. Besonders die Juden des Kirchenstaates waren den ärgsten Leiden ausgesetzt. In großer Zahl hatten die aus Portugal geflohenen Marranen in dem päpstlichen Ankona Asyl gefunden, zu den Zeiten Clemens VII. konnten sie sich dort sogar unbehelligt zu ihrem Glauben bekennen. Als aber Paul IV., der tolle CarafTa, sich die Tiara aufs Haupt setzte, war es um Ruhe und Wohlstand geschehen. Er erließ einen Befehl, alle Scheinchristen Ankonas ins Gefängnis zu sperren, sie auf ihre Rechtgläubigkeit hin zu verhören und ihren Besitz zu konfiscieren. Die übereifrigen Schergen begingen aber die Torheit, auch Juden türkischer Untertanschaft festzunehmen. Als Sultan Soliman im August 1556 in einem Schreiben an den Papst gegen diese Verhaftungen protestierte, mußte der Papst wohl oder übel die türkischen Juden freilassen, die Mehrzahl der Marranen aber, die sich nicht des Schutzes eines fremden Herrschers erfreuen konnten, wurde verbrannt. Diese erbärmliche Handlungsweise schrie nach Rache. Ein Teil der jüdischen Kaufleute der Levante beschloß, ihre SchifFe nicht mehr Ankona anlaufen zu lassen, um den Hafen, und damit die päpstliche Kasse, zu schädigen. Pesaro, das zum Gebiet des Herzogs von Urbino gehörte, sollte bevorzugt werden, denn dorthin hatten sich die wenigen dem pästlichen Blutbad entgangenen Marranen gerettet. Durch diese Bevorzugung hofTte man den Herzog günstig zu stimmen und zu verhindern, daß er die Flüchtlinge dem Papst ausliefere. Die Scheinchristen Pesaros forderten alle jüdischen Gemeinden des östlichen Mittelmeeres auf, ihre Waren in Zukunft nach Pesaro zu schicken. Diesem Ersuchen kam zunächst die Judenschaft Salonikis