Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 503 (sequence 4)
- Language
- German
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 503 hellen, damit sie, die gute Christin, es in Venedig aufzehren könne. Die venetianischen Behörden nahmen Gracia fest und brachten sie in sicheren Gewahrsam. Diese Verhaftung der portugiesischen Jüdin sollte für die stolze Republik später demütigende Folgen haben. Nachdem die Witwe sich auf diese Art ihrer Schwester entledigt hatte, schickte sie einen Vertrauensmann nach Frankreich, um sich die Verfügung über die dortigen Guthaben zu sichern. Aber der Plan scheiterte an dem Geiz seiner Urheberin, die ihren französischen Beauftragten schlecht entlohnte. Der rächte sich, indem er nach bewährtem Rezept seine Auftraggeberin der Ketzerei beschuldigte, worauf Frankreich das auf seinem Territorium befindliche Vermögen der Familie Mendez-Nassi konfisciertc, und die Witwe in den ersten Monaten des Jahres 1548 gleichfalls mit dem venetianischen Gefängnis Bekanntschaft machen mußte. Die Situation der Familie war denkbar kritisch, es mußten energische Maßnahmen getroffen werden, um den drohenden Vermögensverfall zu verhindern und den beiden Schwestern wieder zur Freiheit zu verhelfen. Von dieser Zeit an sehen wir Joseph Nassi die Zügel des Hauses in die Hand nehmen, von dieser Zeit an finden wir seinen Namen regelmäßig in den Berichten der französischen und venetianischen Diplomaten, in den Briefen des Sultans und der türkischen Würdenträger wiederkehren. Als Joseph die Stellung des Hauses Mendez-Nassi bedroht sah, reiste er im Frühjahr 1548 nach Gonstantinopei. Es gelang ihm durch Vermittlung des Moses Hamon, des jüdischen Leibarztes des Sultan Soliman, den Herrscher für das Schicksal der beiden Schwestern in Venedig zu interessieren. Den Sultan reizte es, das große Vermögen der Mendez in der Türkei zu sehen, während der Leibarzt wohl hoffte, die reiche Erbin Reyna für seinen Sohn zu gewinnen2). Die Pforte schickte 1549 einen Sonderbeauftragten nach Venedig, um die unverzügliche Freilassung Gracias und ihrer Schwester zu fordern, die Flerausgabe ihres Vermögens und Erlaubnis zur Abreise nach der Türkei zu erwirken. Aber Ende 1548 war es Gracia bereits gelungen, nach Ferrara überzusiedeln, wohin ihr bald ihre jüngere Schwester folgte, die sich in Anbetracht der gemeinsamen Gefahr mit ihr ausgesöhnt hatte. Im Sommer 1549 sandte Gracia ihrerseits einen Vertrauensmann nach Frankreich, um den von der Schwester angerichteten Schaden gut zu machen und die dortigen Guthaben in Sicherheit zu bringen3). In Ferrara, unter der Herrschaft des fortschrittlichen und auf-